Kopfkino

20. Juni 2009

Junot Díaz - Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao

Aus vielen Blickwinkeln erzählt, ergibt sich in diesem Roman am Ende ein Gesamtbild. Die Geschichte vom übergewichtigen, ohne Lebensdrang ausgestatteten Oscar und dessen Familie aus der Dominikanischen Republik. Doch sehr viel interessanter fand ich an diesem Buch die, in die Lebensgeschichte von Oscar, eingeflochtene politische Geschichte der Dominikanischen Republik. Die Zeit des regierenden Diktators Trujillo wurde sehr gut dargestellt. Die Sehnsucht der Menschen, endlich in Ruhe und Freiheit ihr Leben zu leben, so wie es auch heute noch die Sehnsucht vieler Menschen ist.

Mythische Traditionen stehen der modernen Si-Fi Welt des Oscar gegenüber und auf der Suche nach der Liebe geht Oscar, scheinbar sinnlos, seinem Ende entgegen.


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Bewertung 6 von 10

17. Mai 2009

Salman Rushdie

…die alten Kartoffelhexen am Kaspischen Meer setzten sich hin und weinten. Laut schluchzten sie und stießen wilde Klagelaute aus. Ganz Transoxanien trauerte, denn der große Shaibani Khan, der möchtige Lord Wurmholz, Herrscher über das wilde Chorasan, Herr über Samarkand, Herat und Buchara, Spross jenes einzigen wahren Stammes, dem Dschingis Khan entspran, Überwinder von Babar, dem Emporkömmling unter den Moguln…

Ein kleiner Ausschnitt, der sich über 430 Seiten ausbreiten lässt. Geschichtliches Interesse ist vielleicht ein Bonus beim Lesen, oder man sieht es als ein Märchen mit großem Wortvolumen und der wundervollen Erzählkunst von Salman Rushdie - und zum Nachdenken:

…der Herrscher wollte bekennen, wie enttäuscht er insgeheim von allen Mystikern und Philosophen war. Er wollte die Streitigkeiten beiseitefegen, Jahrhunderte der Erbschaft und Reflexion, wollte dem Menschen gestatten, sich nackt wie ein Baby auf den Himmelsthron zu setzen. (Wenn der Mensch Gott geschaffen hatte, konnte er ihn auch wieder abschaffen. Oder war es einer Schöpfung möglich, sich der Macht seines Schöpfers zu entziehen? Ließ sich ein einmal geschaffener Gott nicht mehr zerstören? Konnten solche Phantasmen eine Autonomie gegenüber dem Willen erlangen, die sich unsterblich machte? Der Herrscher wusste darauf keine Antworten, aber schon die Fragen kamen ihm wie eine Antwort vor.)…

Die Geschichten finden auf allen Kontinenten statt und man bekommt von Liebe, Intrigen, Krieg und Folter bis zur Kunst viel geboten. Durch Salman Rushdies Erzählkunst und Phantasie entstehen schöne und ungewöhnliche Bilder beim Lesen, auch von der "bezaubernden Florentinerin“.


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Bewertung 6,5 von 10

12. April 2009

Letzte Reise - Anna Enquist

Es ist eine wunderbar, aufregend und interessant erzählte historische Lebensgeschichte von Elizabeth Cook. Die Ehefrau des Entdeckungsreisenden Captain James Cook.
Sehr lesenswert macht dieses Buch, dass eine Lebens-, und Liebesgeschichte mit einem Abenteuerroman verschmilzt.
Ganz fantastisch kann man sich im Leben des 18. Jahrhunderts in England, in dieser nicht wirklich „warmen“ Zeit, mit bewegen.
Elizabeth schenkt sieben Kindern das Leben, und muss auch jedes zu Grabe tragen. Ein schicksalhaftes Leben, welches auch ein ewiges warten für sie ist. Denn wird James auch diesmal wieder gesund von seiner letzten Reise zurückkehren?

Ich kann nichts dagegen ausrichten, dachte sie. Wie James sagte: Es liegt nicht an mir. Ich habe nichts damit zu tun. Aber es geht doch um mich, um uns? Es ist doch so, dass er mich im Stich lässt? Warum denken alle an seine Beweggründe, und niemand versetzt sich in mich hinein? Sehe ich es falsch, verstehe ich irgendetwas nicht? Könnte ich doch wie meine Mutter sein. Nicht grübeln! Wo meine Zukunft in Scherben geht! Sie leert ihr Glas.

Sie griff zu einem schmutzigen Geschirrtuch und gab es ihrer Tochter, die sich langsam damit über die nassen Wangen wischte. „Das einzige, was du tun kannst, ist nachgeben. Du musst wie das Gras sein. Sie trampeln dich mit ihren schweren Holzschuhen nieder, und du beugst dich. Irgendwann werden sie die Füße woandershin stellen, dann richtest du dich wieder auf. Wenn du starr aufrecht bleiben würdest, wie das Schilf, würdest du brechen. Es geht vorüber, Elizabeth, alles hat ein Ende, so oder so. Warten. Kein Widerstand, denn dann verlierst du.
„Wie das Gras“, flüsterte Elizabeth. Das ist schön, Das Gras am Fluss: überschwemmt, vertrocknet, abgefressen, flach geweht. Und es kommt immer wieder. Wie das Gras werde ich sein. Wie das Gras.


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Bewertung: 7 von 10

01. März 2009

Alle sieben Wellen - Daniel Glattauer

Dieses Buch hat zwar einige einzelne gute Momente, aber ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.


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Bewertung 2 von 10



15. Februar 2009

Nacht - Edgar Hilsenrath

Zwölf Jahre hat Edgar Hilsenrath daran gearbeitet, das erlebte Grauen im Getto Mogilev-Podolski, in Rumänien von 1941 – 1944, in diesem Roman nieder zu schreiben. Als Aufarbeitung für Hilsenrath, und als geschichtliches Dokument für uns.

Im Nachtasyl hat Ranek einen Schlafplatz gefunden. Es ist eng, es stinkt, aber man hat ein Dach über den Kopf. Ich werde nicht erfrieren. Wie bekomme ich nun etwas zu Essen. Der Mann der draußen unter der Stiege liegt, der stirbt ja bald. Für seine Schuhe werde ich Mehl oder Kartoffeln eintauschen. Aber er ist ja noch nicht tot. Egal, die Schuhe werden ihn auch nicht mehr retten können. Wie soll ich sonst überleben?

Edgar Hilsenraths Gettoroman ist nicht autobiografisch, aber dieses Buch steht für seine persönliche Leiderfahrung, auch umfasst es die ganze Leiderfahrung der Opfer des Gettos.

Während man dieses Buch liest, stellt man sich immer wieder die Fragen, „Wie tief war der Mensch gesunken? Wie sehr hatte man ihn erniedrigt? Ein großes Werk, danke.


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Bewertung: 8 von 10

21. Jänner 2009

Home Coming - Dave King

Den Worten: „Nach langer Zeit wieder ein psychologisch meisterhaft durchkomponiertes Buch“, möchte ich mich anschließen.
Das Leben ist so. Voller Liebe, Gefühl und Emotionen, Leid und Dramatik.
Zu Beginn des Buches wird man nicht gleich von Begeisterung sprechen können, aber man lernt die Figuren kennen und genau das braucht diese Geschichte. Howard ein Kriegsveteran, der nicht mehr sprechen kann, versucht im Leben wieder Fuß zu fassen. Doch wie man das Leben selbst schon kennt, kommt es meist nicht genau so wie man es sich gewünscht hätte.
Sylvia seine damalige Freundin bringt ihm ihren Sohn Ryan vorbei, mit der Bitte auf ihn acht zu geben, während sie eine Drogenentziehungskur durchlebt. Noch immer hält Howard an ihrer Liebe fest und die Zeit mit Ryan verändert sein Leben.
Die Darstellung des stummen Howard, seine Gedanken, die er nicht in der Lage ist zu äußern, finde ich beeindruckend. Howard strahlt eine solche Herzlichkeit aus, man leidet mit ihm mit, fast bis zur letzten Seite.
„Ich wünsche mir, dass er sein Leben lang geliebt wird, das ist der Schlüssel zum Glück“


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Bewertung: 8 von 10

08. Dezember 2008

Kinder der Hoffnung - Marc Levy

Es tut weh eine solche Geschichte zu lesen.
Es erzählt von Jungen und Mädchen, die in der französischen Résistance kämpfen, ihr Leben riskieren, gefoltert werden, überleben oder sterben.
Jeannot und Claude, Brüder, sie durchlaufen solch eine Gewalt, indem sie sich am 21. März 1943 einer Widerstandsgruppe anschließen. Auch Sie kämpfen für die Freiheit und Hoffnung.
Marc Levy erzählt diese Geschichte sehr ergreifend und spannend.
„Papa und Maman wissen nicht, dass man ihnen bald eine Nummer auf den Arm tätowieren wird, Maman ahnt nicht, dass man sie auf einem Bahnsteig von dem Mann trennen wird, den sie fast mehr liebt als uns. Und ich weis nicht, dass ich in zehn Jahren am Denkmal von Auschwitz in einem etwa fünf Meter hohen Berg von Brillen das Gestell wieder erkennen werde, das mein Vater, als ich ihn zum letzten Mal im Café des Tourneurs gesehen hatte, in die Brusttasche seiner Jacke steckte.
Meine sieben Freunde – Jacques, Boris, Rosine, Ernest, Francois, Marius, Enzo – wissen nicht, dass sie sterben und dabei „Vive la France“ rufen werden – fast alle mit einem ausländischen Akzent“.

Man glaubt endlich genug davon gehört zu haben, vom 2. Weltkrieg. Doch auch dieses Buch bestätigt wieder, dass es wichtig ist diesen Krieg weiter zu hinterfragen, darüber zu lesen und zu sprechen.

„Und dennoch entdecke ich, als ich ihn hier an diesem schrecklichen Ort, eingeschlossen in seine Verzweiflung, beobachte, eines der schönsten Dinge auf der Welt:
Ein Mensch kann sich damit abfinden, sein Leben zu verlieren, nicht aber mit der Abwesenheit derer, die er liebt“.


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Bewertung: 7 von 10

02. Dezember 2008

Feuchtgebiete - Charlotte Roche

(eine Rezension von meinem Freund M., die man nicht besser hätte ausdrücken können, danke)

Ein Buch übers Alleine sein, ein Buch über Familie, ein Buch übers Leben.

Eins vorweg, ich habe keine einzige Rezension oder Buchbesprechung zu diesem Buch gelesen, um es unvoreingenommen selbst zu „erfahren“.
Hinter der oftmals sehr plakativen Sprache, erzählt Helen aus dem Leben einer x-beliebigen 18 Jährigen, die angibt nur zwei Hobbys zu haben:
Sammlung von Avocadokernen und Ficken. Ihr Körper ist alles was in Ihrem Leben wirklich real ist, alles worüber sie wirklich selbst entscheiden und wahrhaftig empfinden kann.

Eltern die sich scheiden lassen, Familie als Spiegel der Realität in der nur der Schein zählt.
Keine Rücksicht auf die Schwächeren - die Sprachlosen.
Sprachlosigkeit als Schutzschild für das unaussprechliche. Die Sprachlosigkeit in Bezug auf Sexualität, den eigenen Körper, das Verlangen nach Liebe und nach einer glücklichen Familie. All das wird von Helen schonungslos ausgesprochen, und über das „darüber sprechen“, zum Leben erweckt und damit lebendig.

Ein sehr mutiges Buch, das zwischen den Zeilen spricht und deswegen von vielen wohl nur ob des gelesenen beurteilt werden wird.


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Bewertung 8 von 10

19. November 2008

Die Kuh, die weinte - Ajahn Brahm

Ein wunderbares Geschenk war es, dass mir mein Freund, mit diesem Buch gemacht hat. Und ich möchte es Euch weiter schenken! Es wäre schön, wenn ich auch Euch damit eine Freude machen könnte. Ajahn Brahm erzählt hier Geschichten, die Dich zum Nachdenken bringen, die Dir zeigen, wieviel schönes das Leben für uns bereit hält. Nur damit umzugehen, dass müssen wir noch lernen. Ruhe und Zufriedenheit wird Euch hier beim Lesen geschenkt.
Danke M.


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Bewertung 10 von 10

18. Oktober 2008

Der Außenseiter - Sadie Jones

Dieses Buch hat eine Sogwirkung.
In seinem zehnten Lebensjahr veränderte sich alles für Lewis.
Es war ein wunderschöner Tag, er und seine liebste Mutter, eine rastlose, liebevolle, hübsche Frau, die wiederum Lewis von ganzem Herzen liebte, verbrachten in guter Laune die Zeit bei einem Picknick. Es war heiß und Lewis sprang und tauchte gerne im Wasser herum. Und dann stieg auch seine Mutter zu Lewis ins Wasser. Das war der letzte Tag an dem Lewis die Sonnenstrahlen noch unbeschwert genießen konnte.

Lewis Suche nach Geborgenheit, Nähe und Liebe kann in seinem folgenden Leben mit Stiefmutter, und nur nach gesellschaftlichem Ansehen strebendem Vater, nicht gestillt werden.

Es folgt ein Kampf gegen das Leben, die Gesellschaft, und dem sich selbst zerstörendem Trieb, dem er verfällt. Aus einem mit Liebe und Wärme genährtem Kind entwickelt sich ein unkontrollierbarer, der Gewalt nicht abgeneigter, Mensch. Sein ganzer Kummer mündet in unglücklichen Situationen, Katastrophen.

Ein berührender, beeindruckender Roman. Sehr lesenswert!!


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Bewertung: 8 von 10

05. Oktober 2008

Medicine River - Thomas King

So sympathisch die Hauptfigur, Will, in diesem Roman auch ist, konnte mich dessen Geschichte nicht wirklich erwärmen.
Aus Interesse, etwas über das Leben in einer Kleinstadt, nahe einem Blackfoot-Reservat im westen Kanadas, zu erfahren, habe ich mir die englische Ausgabe dieses Buches, nach Hause gelegt. Was ich sehr gut an dem Roman fand war, dass der Autor aus dem alten Klischee von Wild-West-Action und Indianerhäuptling mit Feder im Haar, die heutige Realität deutlich darstellt.
Wie in jeder Gemeinde von uns, so gibt es auch bei den Indianern Klatsch und Tratsch, Intrigen, freundliche und liebenswerte Menschen, das täglich Leben.

My mother had a favourite expression for all those times in life when things didn´t make sense or couldn´t be explained. “That´s the way things are,” she´d say. It wasn´t an answer. It was more way of managing the bad times.


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Bewertung: 5 von 10

28. September 2008

Idylle mit ertrinkendem Hund – Michael Köhlmeier

Dieses Buch ist beeindruckend.
Es ist ein persönliches Drama, das der Autor hier verarbeitet. Den Tod seiner Tochter Paula, die bei einem Spaziergang ums Leben kam.
Das Büchlein ist von Beginn an irgendwie geheimnisvoll. Der sonderbare Lektor, der für ein paar Tage zur Arbeit im Hause des Ich-Erzählers und dessen Frau vorbeikommt. Spaziergänge und die ungewöhnliche Begegnung mit einem Hund.

Wie ist es möglich den Verlust eines geliebten Mensch und den Schmerz dazu, im Alltag mit zu tragen, damit weiter zu leben. Michael Köhlmeier, der als Ich-Erzähler zu erkennen ist, schafft eine unglaubliche Nähe und Vertrautheit zu seiner ganz persönlichen Gefühls- und Gedankenwelt.
"Ich will, dass sie bei mir ist. Und ich habe die Hoffnung, dass sie näher bei mir ist, wenn ich über sie schreibe."
Ein Buch, das seine volle Entfaltung beim Lesen "zwischen den Zeilen" erfährt.
Ein stilles, leises Buch.


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Bewertung: 10 von 10

07. September 2008

Die Attentäterin - Yasmina Khadra

Was soll man dazu sagen, Yasmina Khadra kann es einfach. Die Erzählkunst macht einfach jedes der Bücher zu einem reichhaltigen, lernreichen Erlebnis.
Der gegenseitige Hass, der sich in Israel und Palästina abspielt, hat nichts mehr mit Gottes Heiligem Land zu tun, es ist ein Feld des Schreckens und des Jammers.

Auch Amin Jaafari, ein Arzt in Tel Aviv wird überraschend mit dem Thema „Selbstmordattentat“ konfrontiert.
In einem nahe liegenden Lokal, sprengt sich ein Attentäter in mitten von Kindern in die Luft.
Zum Glück ist Sihem, Jaafaris Frau, zu diesem Zeitpunkt, für ein paar Tage bei ihrer Mutter auf Besuch, und musste diesen Vorfall nicht miterleben.
Amin Jaafari, hat sich nach Jahren als Araber Anerkennung und Respekt als Arzt erarbeitet, doch in Sekunden kann eine heile Welt in sich zusammenbrechen, und genau das passiert in dieser, für die heutige Zeit, aktuellen Tragödie.

Yasmina Khadra greift das Thema Selbstmordattentäter auf, gibt uns Ansätze, wie jemand zu so einer Tat fähig sein kann, warum sich Leute fanatisch in diese Richtung bewegen. Für unsere Welt nicht erklärbar, nicht verständlich, es lässt sich mit nichts rechtfertigen.



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Bewertung: 7 von 10

17. August 2008

Shooting Star - Peter Temple

Der letzte Roman von Peter Temple „Kalter August“ war für mich ein Glücksgriff.
Sodann sollte ich doch den nächsten, aktuellen Roman „Shooting Star“ nicht versäumen.
Auch die knappen Dialoge und der schwarze Humor sind wieder ganz zum Genießen.

Bei einer Kindesentführung wird der Ex-Polizist Frank Caldon vom Carson Familien-Clan gebeten den Job als Vermittler zu den Entführern zu übernehmen. Ohne Einschaltung der Polizei. Mit Widerwillen nimmt Caldon das Angebot an. Mit seinem ehemaligen Militärkollegen Orlovsky, erlebt man ein Ermittlerduo, das sich gegenseitig grandios ergänzt, keiner drängt sich dem Anderen auf, jeder macht seinen Job.
Peter Temple findet eine tolle Sprache um die Spannung bis zum Schluss aufrecht zu erhalten und sein Ideenreichtum um die Entführer ausfindig zu machen ist eine eigene beeindruckende Geschichte.


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Bewertung: 6 von 10

01. August 2008

Schachnovelle - Stefan Zweig

Wer sich für anspruchsvolle Literatur interessiert, soll diese 110 Seiten inhalieren.
Schauplatz ist ein Passagierschiff, auf dem ein arrangiertes Schachspiel, zwischen dem Schachweltmeister Mirko Czentovic und dem mysteriösen Mr. B., gespielt wird. Mr. B, der aus einem Exil kommt, ist auch der Protagonist in dieser Geschichte. Und wenn man dann weis, dass auch Stefan Zweig im Exil gelebt hat, kann man erkennen, wie er sein Leben in diesem Werk spiegelt.

Das Buch hat, für mich, wieder einen erschreckenden Eindruck, über die inhumanen Vorgehensweisen, seelischen Grausamkeiten der NS-Zeit, hinterlassen.


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Bewertung: 7 von 10

30. Juli 2008

Rot und Schwarz - Stendhal

Stendhal (Henri Beyle) schrieb hier einen französischen Klassiker und schildert darin den sozialen Aufstieg eines Zimmermanssohn, Julian Sorel im Jahre 1830. In einer Gesellschaft, die auf Oberflächlichkeiten aufbaut, legt Julian, hübsch, intelligent und von Ehrgeiz besessen, eine steile Karriere hin, obwohl es für Menschen von niedriger Herkunft keine Chance auf Glück, zu dieser Zeit, gab.
Als Lateinlehrer für die Kinder des Bürgermeisters, dann im Priesterseminar, bis in den Palast eines Marquis in Paris, dient er sich hoch. Unterstützt wird er noch durch seine Heuchelei und Verstellung die er perfekt beherrscht. Doch auch hier kommt es nach dem Aufstieg zum dramatischen Fall.
Durch seine komplizierte Liebe zu zwei sehr unterschiedlichen Frauen kommt die Romantik in Stendhals Roman nicht zu kurz.
Besonders interessant fand ich die ständige Kritik an der Gesellschaft und der Religion im frühen 19. Jahrhundert.
„Julian war erstaunt. Der Begriff Religion war in seinem Geist unzertrennlich mit Heuchelei und Hoffnung auf Geldgewinn verbunden“.

Die Handlung knüpft an wirkliche Vorkommnisse an und in seiner Gesamtheit ist der Roman ein interessantes Zeitbild des 19. Jahrhunderts. (Meine gelesene Ausgabe war aus dem Jahre 1956)


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Bewertung: 7 von 10

11. Juli 2008

Frida - Slavenka Drakulic

Slavenka Drakulic zeigt uns Frida Khalo in einem ganz anderen Bild und das ist wieder unbeschreiblich berührend. Nein, schmerzhaft ist es wie man miterleben kann, was Leid bedeutet.

„Wie ich Selbstmörder verachtet habe. Ich war wütend auf sie. Weil sie jung war. Weil sie schön war. Weil sie gesund war und weil sie all das aus dem Fenster warf. Mir wurde übel von dem Gedanken, dass sie das Leben verachtet, ihm entsagt hatte. Hätte sie nur einmal, ein einziges Mal den Schmerz gespürt, den ich täglich spürte – dachte ich beim Malen -, oder hätte sie nur eine Woche in einem Gipspanzer liegen müssen, unbeweglich, hätte sie sich nicht zum Sprung entschlossen. Sie hätte sich über jeden Augenblick gefreut, den sie ohne Schmerzen, frei vom Panzer verbracht hätte. Immer glaubte ich, Selbstmord sei der leichteste Ausweg und daher ein feiger Akt. Und Feiglinge konnte ich nicht ertragen. Jeder Mensch findet mindestens einen Grund, sich das Leben zu nehmen. Und es ist nicht leicht, dieser Leere gegenüber zu stehen. Aber noch schwerer ist es, in einer Gemeinschaft mit dem Dämon des Schmerzes zu leben. Jeder ist verpflichtet, das Beste aus dem zu machen, was ihm auferlegt wurde, weil der Sinn gerade das Leben selbst ist. Existieren, trotz allem. Fühlen, schauen, teilnehmen. Sich freuen. Uns ist keine andere Chance, kein anderes Leben gegeben“.


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Bewertung 6 von 10

22. Juni 2008

der metzger sieht rot - Thomas Raab

Nach Thomas Raabs erstem gut gelungenem Kriminalroman „der metzger muss nachsitzen“, waren meine Erwartungen sehr hoch und das neu erschienene Buch sollte nicht lange in meinem Bücherregal fehlen. Leider konnte mich „Metzger“ in seinem neuen Abenteuer nicht mehr begeistern.

Danjela Djurkovic, die Metzgers Herz gewonnen hat, wird vor einem Fußballstadion zusammengeschlagen und schwer verletzt. Hier beginnt nun der Willibald Metzger wieder selbst zu ermitteln.

Wenn die Handlung auch nicht wirklich fesseln kann, dann ist es vielleicht doch der sympathische Zufallsermittler, wegen dem man gerne weiter liest.


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Bewertung 5 von 10


01. Juni 2008

Drachenläufer - Khaled Hosseini

Gläubige haben Angst, dass sie nach dem Tod in die Hölle kommen. Aber dass das Leben hier und jetzt die Hölle sein kann, das sollte sich jeder einmal bewusst machen.
Es ist erschreckend was sich auf dieser Welt noch an Leid zuträgt. Wie Menschen unterdrückt, gedemütigt, gefoltert und misshandelt werden. Ihrer Freiheit einfach beraubt!

In diesem Buch, wird uns ein Ausschnitt aus der Hölle gezeigt. Dieser Ausschnitt heißt Afghanistan. Man findet eine berührende Geschichte über eine Freundschaft zwischen Amir und Hassen, die Amir aber auf schreckliche Weise verrät. Nach Jahren will Amir nun diesen Fehler wieder gut machen, doch kann die Zeit alle Wunden heilen?
Der Autor gewährt einen realistischen und grauenhaften Einblick in die Geschichte und den Alltag des Landes. Russische Panzer und Taliban-Kämpfer machen die Hölle perfekt.



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Bewertung: 7 von 10

09. Mai 2008

Die Kathedrale des Meeres - Ildefonso Falcones

Dieser historische Roman, der auf dem Weg zum Weltbestseller ist, ist eines der schönsten und traurigsten Bücher, das ich bis jetzt gelesen habe. Man hat nicht ständig das Gefühl, dass uns der Autor zu den Tränen zwingen will. Die Kathedrale des Meeres, ist ein einfach gestricktes Buch. Es spielt im Mittelalter, wo ein mittelloser Vater, Bernat Estanyol, mit seinem Baby, Arnau, vor einem brutalen Lehnsherren nach Barcelona flüchtet; und dieses Baby, dessen unbeschreiblich unfaires, schweres Leben, verfolgen wir in jener Zeit, in der die gotische Kathedrale Santa Maria del Mar vom Volk, in Rekordzeit, gebaut wird, also über 55 Jahre.
Die brutalen Gesetze des mittelalterlichen Kataloniens, schon die allein sind es, die traurig machen. Was der Glaube, die Kirche, den Menschen damals angetan hat, unverzeihlich.
652 Seiten, die so sehr berühren und es einen nach der letzten Seite traurig macht, dass Ildefonso Falcones die Feder schon zur Seite gelegt hat.



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Bewertung: 10 von 10

13. April 2008

Grimus - Salman Rushdie

Salman Rushdie ist wahrhaft ein Geschichtenerzähler, mit unermesslichem Wissen aus Kultur, Mythen und Sagen, Philosophie und Religion, und legt uns damit ein sprachgewaltiges Werk, mit „Grimus“ vor.

Der Held des Romans heißt Flapping Eagle, ein hellhäutiger, unsterblicher Indianer, der seine Schwester liebt, und sich dann auf der Suche nach ihr, auf einer sagenhaften Insel wieder findet. Er wird auf der Insel, durch eine mythologische Landschaft mit geistreichen, faszinierenden Gestalten, von einem Menschen namens Virgil Jones geführt. Geplagt dabei, von Visionen und alternativen Realitäten durch vermischende Dimensionen, gegen den Wahnsinn, ankämpfend.

Die Sprache ist so vielfältig und geballt, sie kommt fast ohne eine Handlung aus.
Man muss sich beim Lesen von diesem Buch einfach fallen lassen und diese Sprache genießen, und nicht zu sehr auf eine bestimmte Handlung warten.
Ein verrücktes Buch, das einen mit Ohren sausen versetzt.


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Bewertung: 6,5 von 10

05. April 2008

Doppelblick - Daniel Käfer

Und wieder ist es ein Genuss, den vierten Daniel Käfer-Roman lesen zu dürfen.
Wie ihn sein Weg diesmal mit dem nostalgisch verklärten Glanz des ehemaligen Kaiserstädtchens Bad Ischl verbindet. Dort ist er diesmal auf der Suche nach einem Haus, das als Seminarzentrum für sein Hamburger Medienunternehmen genutzt werden soll. Gerne wird er wieder vom Eustach Schiller, dem Immobilienhändler unterstützt und lernt dabei einen angenehmen Menschen näher kenne.
Wie immer hat er sein Platzerl während der Suche, bei Maria Schlömmer im Bauerhaus, also bei den Ausseern eingenommen. Auch dort gibt es eine kleine Überraschung, als er den momentanen Aufenthaltsort vom Hubert, dem Mann der Maria, erfährt.
Und Sabine Kremser, die bewundernswerte Gefährtin vom Daniel, auch sie kommt wieder auf einen Kurzbesuch im Ausseerland vorbei. Und auch hier gibt es einige Überraschungen, nach 14 Jahren Beziehung, an welche Daniel Käfer nie einen Gedanken verschwendet hätte.
Doch das ist nicht genug, denn dann, dann kommt noch der Doppelblick, der Daniel Käfer vom ersten Moment weg, verzaubert.

Alfred Komarek zeigt uns in diesem Buch wieder einen neuen Lebensabschnitt unseres Daniel Käfer, dem liebenswerten Schurken. Und alles liest sich wieder in einer solch angenehmen Ruhe. Und die wundervollen Bilder die man mit nimmt, wenn man das Buch wieder schließt.


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Bewertung: 6 von 10

29. März 2008

Schmetterling und Taucherglocke - Jean-Dominique Bauby

Der Autor dieser Autobiographie, Vater zweier Kinder, war Chefredakteur der Zeitschrift "Elle", als ihn ein Gehirnschlag all seiner bisherigen Lebensmöglichkeiten beraubte. Er blieb, 43 Jahre alt, vollständig gelähmt.Jean-Dominique Bauby hat das „Locked-in-Syndrom" und kann seither nur noch mit dem linken Augen blinzeln. Und mit einem System zu blinzeln, macht er es möglich seine Erfahrungen zu diktieren.

Ich habe den Film nicht gesehen, der anscheinend sehr gut sein soll.
Das Buch konnte mich nicht begeistern. Trotz eines solchen Schicksalsschlages, ist dieses Buch in keiner Weise interessant oder nur irgendwie tiefgründig zu lesen. Ein trauriges Lebensschicksal, aber es gibt sicherlich bessere Bücher darüber.


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Bewertung: 3 von 10




21. März 2008

Die italienischen Schuhe - Henning Mankell

Fredrik Welin, ehemaliger Chirurg, hat sich nach einem Fehler bei einer Operation zurückgezogen. Auf eine Insel in den Schären, wo er nur noch dem Postboten begegnet. Hund und Katze leisten ihm noch Gesellschaft.
Da steht eines Morgens dann eine alte, schwerkranke Dame vor seinem Haus.
Von dieser Frau lässt er sich dann doch noch überreden, an einen kleinen Waldsee in Nordschweden mit zu fahren.
Es wird eine Reise in die Vergangenheit, voller unverhoffter Begegnungen.

Es werden zwar interessante Themen, Geschichten in Henning Mankell´s Roman geboten. Aber ich fand alles zu oberflächlich, und inhaltlich sehr reduziert. Der recht schöne Anfang des Buches, kann mit dem Rest leider nicht mehr mithalten.


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Bewertung: 4 von 10

28. Februar 2008

Der lange Gang über die Stationen – Reinhard Kaiser-Mühlecker

Theodor ist Bauer in Oberösterreich, hat eine kleine Wirtschaft und lebt dort mit seinen Eltern. Er heiratet dann eine Frau aus Linz, und sie ist die Richtige, sagt die Mutter.
Seine Frau ist sehr fleißig und brav, sie haben sich sehr gerne.
Theodor beginnt mit dem Bau eines Schafstalles, ein Schaf läuft ja schon fröhlich herum. So, wo nehme ich nun das Geld für die Seitenwände her, und der Frau kann ich zum Geburtstag auch nichts kaufen, das Geld, es wird sonst zu knapp. Und meine Frau fährt nun immer öfters wieder mit dem Zug in die Stadt.

Wissen sie wie das früher war, wie sich der Bauer mit dem Messer noch die Zehennägel ausgeputzt hat und beim Gang in den Stall den Rotz mit den Fingern in die Wiese warf.
Die Frau mit der Mutter hinterm Herd in der Küche steht, ohne Worte, und der fleißige hungrige Bauer dann zum Essen an den Tisch sitzt, ohne Worte.


„Theodor, sagte sie, die jetzt bei mir Angekommene, und setzte sich neben mich ins Gras. „Was sitzt du da alleine auf dem Hügel herum?“
Eine Brise fuhr uns beiden durch das gewärmte Haar. Ich rutschte ein Stück nach vorne und legte mich nach hinten – ein paar Vögel im Himmel, ihre sich kreuzenden Flugbahnen – und schloss die Augen.
„Dein Leben, sagte ich langsam und musste mich nicht bemühen, nachdenklich zu wirken, wie war dein Leben vorher?“ Unter meinem Kopf das zusammengeballte Hemd, das ich ausgezogen hatte, als ich auf dem Hügel angekommen war. Das Gehen hatte mich angestrengt, mir war heiß geworden, und da hatte ich es ausgezogen. So, wie ich vorher gesessen war, lag ich nun: im weißen Unterhemd und mit dieser Frage im Kopf.
Sie legte sich zu mir, ihr Kopf auf meiner Brust, ihr warmer Atem, Sommerluft, und gab keine Antwort.

Der junge 25-jährige Schriftsteller, bekam mit seinem ersten Roman den Literaturpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung überreicht.

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Bewertung 5,5 von 10

25. Februar 2008

Die kommende Welt - Dara Horn

Das Buch erzählt die Geschichte über ein gestohlenes Chagall-Gemälde, und eine damit verbundene russisch-jüdische Familiengeschichte.
Das Gemälde ist in einem jüdischen Museum in New York ausgestellt und wird von Benjamin Ziskind, einfach wieder „mitgenommen“, in der Annahme, dass dieses Gemälde seiner Familie zu steht. Eine Darstellung aus Traum und Wirklichkeit.

Es wird gut dargestellt, dass archaische Familiengebote auch in der kommenden Welt, das Leben jüdischer Familien bestimmt.
Basierend auf dem jüdischen Glauben und deren Kultur, findet man in diesem Roman interessante Informationen, wie z.B. der Glaube über das Leben vor und nach dem Tod gelehrt wird. Die Autorin wechselt die Zeitebenen durchgehend im laufe des Romans und verwebt die Geschichten der Protagonisten in vielfältiger Weise miteinander.
Ein Gesamtbild, findet man erst nach und nach heraus, es wird also folglich, erst zum Schluss hin interessanter, schärfer.


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Bewertung 5 von 10

15. Februar 2008

Kalter August - Peter Temple

Dieses Buch wird unter der Kategorie „Krimi“ eingestuft. Wenn man kein Krimileser ist, sollte man sich bitte nicht davon abschrecken lassen, dieses Buch in die Hand zu nehmen und zu lesen. Man wird belohnt, für die Stunden mit diesem Kriminalroman.

Die Kriminalgeschichte selbst ist sehr interessant und informativ über das Leben in Australien. Korruption, politische Intrigen, Rassismus.
Und der Protagonist „Joe Cashin“- Detective Senior Sergant Joe Cashin, Cop der Melbourner Mordkommission, dieser Mann, seine Erscheinung, sie fesselt, bis zur letzten Seite.

Was ist es nun gewesen, ein Unfall oder die Ermordung von Mr. Bourgouynes in seinem Haus? Die Uhr aber, die Burlington, die fehlt an der Hand des Toten. Und welcher Schluß wird daraus gezogen, eben der einfachste. Es werden Aborigines gewesen sein, keine Arbeit, immer mit Alkohol und Drogen in Verbindung und Geld brauchten sie. Bald findet man einen Weg zu ihnen. Doch einer der verdächtigen Jungs ist ein Neffe eines Politikers. Vorsichtig, nicht zu weit nachforschen! Doch Vorsicht ist in diesem Fall zu wenig, während der Ermittlungen wird Detective Cashin, beurlaubt! Wie weit kann er sich jetzt noch vor wagen.

Peter Temple hat durch den introvertierten Detective und dessen Privatgeschichte die man so intensiv miterleben kann, wirklich etwas wundervolles und doch schreckliches für uns niedergeschrieben. Der Roman ist einfach fesselnd und durchgehend spannend.
Die Sprache oft rotzig aber immer mit Kraft und Biss, nirgends ein Gramm Wortfett.


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Bewertung: 9 von 10

17. Jänner 2008

Die Lämmer des Herrn - Yasmina Khadra

Als ich das Buch fertig gelesen hatte, war mein erster Gedanke „bin ich froh, dass ich in einem Land geboren wurde, in dem man sein Leben, leben DARF“.
Es ist das dritte Buch, dass ich vom algerischen Autor Mohammed Moulessehoul (Yasmina Khadra-Pseudonym) gelesen habe. Und wieder öffnet er einem die Augen wie schrecklich, grausam, radikal, der Islamismus in Algerien gelebt wird.
In dieser Geschichte wird einem genau der Zerfall eines Dorfes, und der dort geborenen Menschen, Freunde, Familien geschildert. Die Verwandlung eines ruhigen Dorfes in eine Festung und wie sich die Religion in ein Trojanisches Pferd verwandelt.
Den Beginn und das Ende der Freundschaft von Allal dem Polizisten, Kada dem Lehrer und dem arbeitslosen Jafer.

Yasmina Khadra schreibt, wie in jedem Buch spannend, herzzerreißend und gleichzeitig großartige Literatur.


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Bewertung 8 von 10


08. Jänner 2008

Der schwarze Regen – Flavio Soriga

Ein Buch mit einer großen Erzählkraft, intensiv und sehr ergreifend geschrieben, und so schön zu lesen. Ein junger Schriftsteller, den ich gerne weiter empfehlen möchte!

Sardinien, das Land das in der Vergangenheit verharrt! Dort liegt auch das Dorf Nuraió mit dem Carabiniere Maresciallo Crissanti, der in diesem Dorf ohne den Drang nach Fortschritt, nach Veränderung, ein Verbrechen aus Leidenschaft, aufzuklären hat. Zuerst scheint es ganz eindeutig zu sein, dass es der Ehemann Efisio Marras war. Er hat es doch allen in der Wirtsstube gesagt, dass er Sie umbringen wird. Alle dort waren Zeugen!
Keiner im Dorf hat Interesse daran, dass es vielleicht ein anderer gewesen sein könnte, einer Ihrer Liebhaber vielleicht. Nein, bloß keine Nachforschungen, kein Carabiniere Maresciallo Crissanti, der diesen Fall klären soll. Im Dorf soll alles so bleiben, wie bisher, traurige, gierige, frustrierte Männer, die dick gewordene oder geradezu fette Frauen unterdrücken. Landsleute, Bauern die von Europa und von Unserer Lieben Mama der Region bezahlt werden.

Es war ein kurzes, sehr intensives eintauchen in das Leben auf Sardinien. Ich bin noch immer sehr beeindruckt davon, danke Flavio Soriga.



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Bewertung 9 von 10

30. Dezember 2007

Don Juan de la Mancha - Robert Menasse

Man liebt nicht, weil man sich verliebt. Man liebt, weil man in einem Zustand ist, in dem man die Lieber für sich beschließt.

Ganz anders, schön und interessant, wie Menasse Liebe beschreibt, doch ist es so richtig? Wer weis.
Im Laufe des Romans, gibt uns Nathan, der Don Juan in diesem, sehr beruhigend zu lesenden Buch, noch einige solcher Sätze, mit.
Robert Menasse will uns mit diesem Buch keine Lösungen von Suchenden Don Juans mitgeben. Wir können den Don Juan beim Suchen begleiten und werden dabei zum Nachdenken und Lachen verführt.
Nathan, ein Redakteur einer Zeitung, versucht sein Glück zu finden, das Glück in der Liebe. In einige seiner Liebschaften lässt er uns Einblick nehmen, schildert uns seine Versuche, die Leidenschaft zu finden, die er auch in seiner Ehe nicht gefunden hat?
Ganz einfach und unterhaltsam ist das Buch geschrieben.

Und am Ende, tja, was erwartet den Leser, einen Suchenden?



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Berwertung 6,5 von 10

15. Oktober 2007

Kali - Peter Handke


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Bewertung: 2 von 10

04. September 2007

Extremely Loud & Incredibly Close - Jonathan Safran Foer

Ich habe dieses berührende Buch in englischer Ausgabe gelesen. Der Buchtitel sagt genau das, was wir im Buch erleben werden. weiterer Text folgt...

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Bewertung: 10 von 10

19. August 2007

Der Jakubijân-Bau - Alaa al-Aswani

„Der Jakubijân-Bau“, ist ein Meisterwerk des zeitgenössischen, arabischen Romans. Es ist auch ein Buch, das man lesen sollte, um zu verstehen, was sich in den Tiefen mittelöstlicher Gesellschaften in Zeiten von al-Kaida abspielt. (Gilles Kepel, franz. Nahostwissenschaftler)

Der Jakubijân-Bau, früher ein Domizil für die Wohlhabenden, gibt nun seine Wohnungen für jede Gesellschaftsschicht frei. Es ist nun ein Haus, das nicht nur zum Spiegel der heutigen ägyptischen Gesellschaft wird, sondern gleichzeitig zu einer Art Geschichtsbuch Ägyptens in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Durch die Lebensgeschichten einiger der Bewohner des Jakubijân-Bau, lässt uns der Schriftsteller vieles erfahren.
Hagg Muhammad Asâm, einem reichen Geschäftsmann, der sich vor der Unzucht durch eine frühe Eheschließung geschützt hat.
Der Frauenheld und Liebhaber Saki Bey al-Dassûki, der keine Kinder hat und keiner Religion angehört.
Makak Chilla, der sich ein Zimmer am Dach des Jakubijân-Bau ergaunert hat, ein Schneider der Handel mit Devisen, Immobilien, Grundstücken, Alkoholika und vielem mehr betreibt.
Und dann ist da auch noch Hâtim Raschîd, der seine Homosexualität nicht leugnet, aber leidet.
Auch die Schicksale von Taha Muhammad al-Shasli, einem intelligenten jungen Mann und seiner Schwester Buthaina, einer Verkäuferin, stellt der Schriftsteller sehr intensiv und berührend in Verbindung mit Politik und dem Islam dar.
Für mich war der Einblick in das Land Ägypten, die Stadt Kairo und dessen Gesellschaft, erschreckend. Die Grundeinstellungen des Islam sind Furcht erregend und unakzeptabel.


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Bewertung: 9 von 10

09. August 2007

Späte Familie - Zeruya Shalev

Ich dachte, 580 Seiten, da wird es wieder viele Nebengeschichten und unnötig ausgebaute Szenen geben, aber falsch gedacht! Die Geschichte über Ella, einer Ehefrau Mitte Dreißig, deren Eheleben sie nicht glücklich macht, sogar Depressionen hervorruft und sich für einen Neubeginn mit ihrem Sohn Gili entscheidet, ist schön zu lesen. Das tolle an diesem Roman ist, dass Zeruya Shalev das Leben und, die damit verbundenen Wege und Entscheidungen der Protagonistin, ganz real darstellt. Aber nicht nur von Ella wird erzählt, wie schwer ihr alles fällt, auch wie es dem Sohn ergeht und, welche Fragen sich der zurückgewiesene Mann Amnon stellt und wie er mit der Situation umgeht.
Alles ändert sich nach einer Trennung, doch viele dieser kommenden Veränderungen sieht man vorher nicht und dann kommen Zweifel auf, hinzu auch noch Vorwürfe wie; „man verlässt keinen Mann wegen romantischer Träume“.

…und von Minute zu Minute wird mir klarer, dass von mir nur eines verlangt wird, das Schwerste und zugleich auch das Leichteste, das Erhabenste und das Wertloseste, das Vernünftigste und das Gemeinste, von mir wird verlangt, dass ich aufgebe, weil es um die Rettung eines Lebens geht, denn die Katastrophe bewahrheitet sich, und das Glück ist zweifelhaft… (Ella)


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Bewertung: 7 von 10

05. August 2007

Die Valis-Trilogie Philip K. Dick

VALIS (Akronym für Voluminöses Aktives Lebendes Intelligenz-System)

Wer ist der Schöpfer des Universums, wer die Gottheit und wer Gott. Wer waren Siddhartha, Buddha, Brahama, Christus oder St. Sophia. Waren sie schon alle Gott in Mensch gewordener Form ?
„Valis“ ist ein sehr interessanter, auf theologisches Wissen und Daten aufgebauter, Roman. Man bekommt so viele Ideen beim Lesen zugeworfen, herausfordernd, aber auch verwirrend.
Philip K. Dick lässt uns auch in ein Raum-Zeit-Labyrinth eintauchen, in Kollektiverinnerungen Einblick nehmen, und sogar durch „Parsifal“ von Richard Wagner werden uns Ideen weitergegeben.

Diese interessanten Einblicke lässt uns Philip K. Dick durch das Leben des Protagonisten Horselover Fat machen. Der psychotische Protagonist, getrennt von seiner Frau Beth und seinem Sohn Christopher, macht sich in diesem Werk nun mit seinen Freunden, auf eine Sinnsuche.


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Bewertung: 6 von 10

12. Juli 2007

der metzger muss nachsitzen

Dieses Buch des österreichischen Schriftstellers Thomas Raab (geb. 1970 in Wien, Studium der Mathematik und Sportwissenschaften) ist ein Kriminalroman, aber nicht nur das, dieser Roman ist viel mehr. Es ist das Leben, das dort beginnt, wo all die Liebesfilme aufhören. Und über dieses Leben schreibt Thomas Raab.
Er erzählt in diesem Roman von Willibald Adrian Metzger, einem gemütlichen, sympathischen Einzelgänger. Ein Restaurator, der eines Tages beim Nachhauseweg von seiner Werkstatt, über die Leiche eines ehemaligen Schulkollegen stolpert. Über den Dobermann, einer der damaligen Schulkollegen, die den Metzger immer schikaniert haben. Doch als Inspektor Pospischill, auch ein ehemaliger Schulkollege vom Metzger, und er zum Unfallort zurückkommen, ist der Dobermann nicht mehr da. Willibald, den jeden Tag in seiner Werkstatt eine Flasche Rotwein begleitet, wird dadurch nicht Glaubwürdiger was dieses Leichenfundes betrifft. Das er nun selber als unfreiwilliger Ermittler tätig wird, ist nicht nur seine Neugier, und das Wissen, dass der Dobermann wirklich, mit einem spitzen Holzstück im Auge, dort gelegen hat. Nein, es beginnt ein zusammenhängender Faden von Ereignissen zu laufen, der den Leser von Beginn an mit dem philosophierenden und überblickenden Protagonisten Metzger mitleben lässt.

Zitate von Hesse und Lebensweisheiten begleiten einen in diesem Roman. Auch das Thema der zwischenmenschlichen Beziehungen, schwingt immer ganz leicht mit, und findet am Schluss ein fulminantes, berührend ergreifendes Ende.
Für mich ist Thomas Raab als Autor, eine wunderbare Entdeckung. Ich hoffe, dass Raab weiterhin dem Schreiben verfällt.


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Bewertung: 9 von10

10. Juli 2007

Zu früh, zu spät - Karl-Markus Gauß

Karl Markus Gauß erzählt in diesem Buch von Bekanntschaften und Erfahrungen, die er in seinem Leben gesammelt hat. Dabei verknüpft er Weltpolitik, Weltgeschichte, Literatur und deren Autoren. Macht sich Gedanken und spielt wenn es sein muss, auch den Kritiker. Schreibt über Europa, ost- und mitteleuropäische Staaten. Die USA den mächtigsten und reichsten Staat der menschlichen Geschichte, seinem Justizwesen, seiner Sozial- und Bildungspolitik, mit all dem die USA seiner Meinung nach, dennoch keine Aussicht hätte, in die Euopäische Union aufgenommen zu werden. Von Berlusconi, der gegen die Mehrheit der Italiener, Ministerpräsident Italiens wurde. Von Holland, das noch heute von den Zinsen jenes Reichtums, den es in seiner Kolonialzeit angehäuft hat lebt (Sklaven Indonesiens). Aber auch der Irak, Indien, England und auch Österreich werden im Laufe des Buches noch genauer unter die „Gaußsche Lupe“ genommen. Dabei erfährt man auch kritisches über „Red Bull“, Alf Poier sowie, vom leider kürzlich verstorbenen, österreichischen Ex-Bundespräsidenten Kestil.
Sehr interessant und informativ wird jeweils zu jedem Themenbereich auf einen, oder mehrere Literaten und deren Werke verwiesen. Im Zuge dessen kann sich der Leser bei Bedarf sehr viele Namen und Buchtitel notieren, die man wahrscheinlich noch nicht auf der eigenen Bücherliste vermerkt hat.
Gauß macht auch vor den großen Religionen nicht halt, zeigt deren Ängste und Zweifel in einer schnelllebigen globalen Gesellschaft. Und wie der Islam sich mit allen Mitteln gegen Veränderung und kritisches Denken schützt. Und wussten sie, dass es seit 1961 eine Stadt in Litauen gibt – eine atheistische Stadt ?


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Bewertung: 8 von 10

25. Juni 2007

Der Preis des Wassers in Finistére - Bodil Malmsten

Das Hauptthema in diesem Buch ist eine Schreibblockade der Protagonistin, einer Schriftstellerin, die aus Schweden verschwindet und an der Antlantikküste Frankreichs, im Ort Finistère ihr Traumhäuschen findet. Dort beschreibt sie in welchem Glück sie nun leben darf und wie sie ihre Zeit in ihrem Garten verbringt. Im Verlauf des Romans findet, in erster Linie, eine Aufzählung der vielen Pflanzenarten ihres Gartens statt. So lernt man, Lorbeerbäume, Zypressen, die Magnolie, Maiglöckchen, Dichternarzissen, Kresse, Esche, Iris, Nelken und ihre monumentalen Tulpen „tulpina sprengeri“ kennen. Und für den Gartenfreund gibt’s noch die richtige Pflege dazu. In diese, für den Nichtgartenfreund, zu genau beschriebenen Vorgänge, wirft die Schriftstellerin immer wieder soziale, politische, rassistische, menschliche Themen ein, die aber nur kurz angeschnitten werden. Einen kurzen, interessanten Einblick über Schweden, gibt es dann doch zu lesen, an dem sie aber kein gutes Haar lässt.

Wenn man gerne Pflanzen umtopft, weiterzüchtet, sich auch in seinem Blumenmeer am wohlsten fühlt, dem könnte dieser Roman sogar gefallen.


Eine Amazon-Rezension: Gerne würde ich potentiellen Lesern des Buches mitteilen, dass es Zeitverschwendung sei, dies Buch zu lesen. Aber jemanden daran zu hindern, seine Zeit zu verschwenden, hieße ihn am Leben zu hindern - und wer wollte das schon.


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Bewertung: 2 von 10

22. Juni 2007

Die Tochter des Schmieds - Selim Özdogan

Ein Türke, eine türkische Frau, diese Worte sind meist schon negativ, für uns, besetzt. Es sind Menschen aus einem anderen Land, sie sind anders, macht man sich aber auch mal Gedanken darüber warum das so ist ? Sie werden von uns schon verurteilt, ohne sie kennen zu lernen, zu verstehen, zu akzeptieren. Wer von uns nimmt sich Zeit dafür zu hinterfragen was in der Türkei passiert, wie das durchschnittliche alltägliche Leben dort abläuft. Was es heißt als Antwort immer zu sagen, „Herr dein Wille geschehe, und der liebe Gott beschützt uns, und danach geht es uns gut im Paradies“ ! Alles hinnehmen, dulden, ertragen und noch dankbar sein.

Es ist eine wunderschön erzählte Lebensgeschichte von Gül, der Tochter des Schmieds – die alles duldet. Nie ein „Danke“ hören, weil es normal ist, alles zu tun das man aufgetragen bekommt, obwohl der Vater sie über alles liebt, seine Gül. Niemand achtet auf deine Tränen. Es ist schwer mit der Stiefmutter Arzu eine Nähe aufzubauen, aber Gül gibt für ihre Geschwister Melike und Sibel alles. In der Schule schafft sie den Abschluß nicht und um den Eltern nicht länger viel Mühe zu bereiten, heiratet man eben. Früher oder später heiraten alle. Sie erlernt als Lohn einen Beruf, den der Schneiderin. Diesen Job wird sie dann auch in stundenlanger Arbeit in Deutschland verrichten.

„Jeder geht jetzt nach Deutschland, sag Gül.
Ja, es ist ein gutes Land, es ist sauber, und man kann dort Geld verdienen. Die reiten nicht mehr auf dem Rücken von Eseln, das sind zivilisierte Menschen. Und unsere Freunde aus alten Zeiten.“

Das Buch ist sehr berührend. Man kann sich nun auch eine kleine Vorstellung machen, auf welchem Wissen, und unter welchen Lebensumständen dieses Volk erst ein, für uns selbstverständliches, mordernes Leben aufbauen muss.


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Bewertung 7 von 10

12. Juni 2007

Don Juan - Peter Handke

Diese Art zu Schreiben, verträumt, sensibel, märchenhaft, ist wunderschöne Kunst. Doch entweder findet man diese Kunst schön und fühlt sich wohl dabei, oder man nimmt längere Zeit kein zweites Buch dieser Art in die Hand.

Don Juan erzählt von sehr innigen Liebeserlebnissen aus seiner Vergangenheit, während er einen einwöchigen Aufenthaltes im Garten einer Klosteranlage verbringt . Der Frauenheld, der es schafft, jeder Frau das Gefühl zu geben etwas ganz besonders zu sein, egal ob aus Damaskus oder dem Kaukasusflußland, Holland oder Nordafrika. Ungewollt setzt er in den Frauen das Begehren gerettet zu werden frei, wovor ist den Frauen zunächst selbst unklar. Doch um bei all diesen Abenteuern nie ein Ehebrecher oder gar Mörder zu werden, gibt es als letzten Ausweg immer wieder nur die Flucht. Aber ist es die Angst vor Verantwortung, dem Freiheitsentzug, oder eine unverbindliche Art von Würde und Achtung der Frau gegenüber, die Don Juan immer wieder zum Weiterziehen zwingt ?
Peter Handke ist ein Könner der Sprache und man entdeckt hier auf jeden Fall ein besonderes Lesen, rührend Anders.


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Bewertung: 6,5 von 10

23. Mai 2007

Der Pfau weint - Hong Ying

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Bewertung 3 von 10

18. Mai 2007

Wovon die Wölfe träumen - Yasmina Khadra

Es ist nicht falsch, wenn wir Angst haben vor dem gelebten Glauben des Islam. Wie hier geschildert in Algerien. Yasmina Khadra beschreibt in diesem Roman, wie fanatische Islamisten die Stimmungsschwankungen der „verlorenen Seelen“ missbrauchen, und ihre Wankelmütigkeit ausnützen, um sie für die Bewegung einzuspannen. Es wird ihnen eine Zugehörigkeit vermittelt, Arbeit und damit Verantwortung gegeben. Man muss immer in der Gruppe bleiben und wird geeint durch dasselbe Ideal: die islamistische Revolution. Und Mord wird zum Ritual erklärt. Es verwandelt den Toten in eine Opfergabe, den Mord in einen Akt der Huldigung gegenüber Gott. Es ist egal wer gegen die Bewegung ist, ob verwandt, bekannt, oder Freund.
„Nach dem Dritten macht es einem nichts mehr aus“, tröstete mich Sofiane.

Dieser Roman erzählt uns, wie eine solche Gehirnwäsche abläuft. Nafa Walid, ein arbeitsloser, von den Eltern ausgehaltener, zielloser junger Mann, dessen größter Traum es ist, ein Schauspieler zu werden, geht nicht in Erfüllung. Dann sucht er Erlösung im Gebet und wird zum Soldaten der bewaffneten Islamisten, den KATIBA. Yasmina Khadra beschreibt diesen Weg schrecklich realistisch durch die Darstellung einiger dramatischer Lebensgeschichten, die zu dem Weg den Nafa Walid geht, unweigerlich beitragen.
Ein muss der Zeitgeschichte !!


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Bewertung: 8 von 10

12. Mai 2007

Snack Daddys Abenteuerliche Reise - Gary Shteyngart

Mischa Borisowitsch Vainberg, 30 Jahre, ungeheuerlich übergewichtiger Mann mit tief liegenden blauen Augen, einem hübschen jüdischen Zinken, der an die edelsten Papageiarten erinnert und so zarten Lippen, dass man sie nur mit dem nackten Handrücken abputzen möchte. Und der Sohn des 1238streichsten Mannes in Russland.
„Es geht um meine eigene Machtlosigkeit und Verstrickung in der Welt um mich herum“

Mischa erlebt wirklich eine beeindruckende abenteuerliche Reise, Russland, New York,
St. Petersburg, Absurdistan. Mit seinen Begleitern Aljoscha-Bob dem besten Freund, Rouenna seiner große Liebe, Timofej sein Diener, Dr. Levine, dem demokraten Trotl , wird uns das gewalttätige, liebeshungrige Zeitalter vorgeführt, und das in satirischer Form aber mit unglaublichem Tiefgang. Auch mit den Themen, Sexualität, Holocaust, Antisemitismus, Fundamentalismus. Politische Verwicklungen, mit Russland, Amerika, Iran, Türkei, Belgien, Absurdistan, die unsere heutige Zeit karikieren.

Gary Shteyngart ist einfach wortgewaltig, oft richtig geschmacklos und unappetitlich, und doch so wahr !


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Bewertung: 10 von 10

21. April 2007

Am Hang - Markus Werner

Der Schriftsteller Markus Werner hat von Beginn an interessante, unterhaltsame und lebenskluge Texte zum aktuellen Zeitgeschehen und deren Schnelllebigkeit, in seinen kurzen Roman eingebracht. Obwohl es kein Kriminalroman ist, wird das Buch zum Ende hin immer spannender. Eine angenehme, kurze, gelungene Abwechslung.

Herr Clarin und Herr Loos, sich unbekannt, treffen einander in einem Hotelrestaurant in Tessin. Zwei lange Nächte unterhalten sich diese Männer, obwohl sie sich doch ganz fremd sind. Beide erzählen auch über ihren damaligen Aufenthalt in Tessin, den beide in Begleitung ihrer Partnerin erlebten. Aber irgendetwas scheint diese Männer zu verbinden.


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Bewertung 8,0 von 10

18. April 2007

Wut - Salman Rushdie

Salman Rushdie bringt uns in diesem Roman jene Situation sehr nahe, ein Leben zu leben, das von einer Jugend überschattet wird, in der traumatisches erlebt wurde. Wie man sich durch das Leben kämpfen muss, wie man unter der Vergangenheit leidet und auch durch den Versuch einer Flucht, an einen anderen Ort, nicht ganz einfach davon befreit wird.

Professor Malik Solanka muss nun so ein Leben führen. Da Ihn eine körperliche Unkontrollierbarkeit befällt, wenn er wütend ist, verlässt er seine Frau Eleanor und seinen Sohn Asmaan, zu ihrem Schutz. Denn wenn man mit dem Messer in der Hand, im Schlafzimmer steht, muss man gehen, dachte Malik. Von London geht es nun nach New York, in der Hoffnung, dass alles besser wird. Doch in New York beginnt ein noch verwirrenderes Leben, mit den Frauen Neela Mahendra, Mila und Puppen, und auch der Kontakt nach London zu Asmaan bricht nicht ab.

Obwohl man auch bei diesem Buch von Salman Rushdie voll auf seine Kosten kommt, war seine, wie immer „große Sprache“, erst am letzten Drittel des Buches präsent. Mir fehlte das fesselnde an diesem Roman. Die lange Zeit unklarer Handlungsstränge, werden am Ende des Buches sehr gut aufgelöst, wodurch das Grübeln nach „ was will er mir damit sagen“, auch sein Ende findet. Der autobiografische Hintergrund dieser Geschichte ist, wie wir ja wissen, dramatisch (siehe nächster Absatz).

Natürlich hat auch Wut, wie fast alle Bücher Rushdies nach Verhängung der Fahdwa, stark autobiografische Züge: Wie sein Protagonist, so benutzt auch der Autor "das Material seines eigenen Lebens und verfremdet es durch die Alchemie der Kunst".
So ist auch Wut, der der schönen indischen Lebensgefährtin Padma Lakshmi des noch verheirateten Rushdie gewidmet ist, nicht zuletzt als Parabel eines Menschen zu verstehen, der gegen seinen Willen zur Bedrohung für seine nächsten Angehörigen geworden ist und in der Anonymität der Großstadt untertauchen muss.


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Bewertung 6,5 von 10

29. März 2007

die straße - Cormac McCarthy

NEU ! EIN MEISTERWERK !

Stell dir vor die Wolken sind so dicht, dass nie mehr die Sonnenstrahlen durchkommen werden. Es ist kalt, es regnet Asche und es schneit. Alles ist zerstört und verbrannt. Es gibt nichts zu Essen mehr, kein klares Wasser. Alles um dich herum tot. Du kannst es dir nicht vorstellen wie schrecklich das sein könnte ? Dann lies bitte dieses Buch und du wirst dich an jedem kommenden Sonnenstrahl erfreuen.
Dieses Buch ist Horror, Spannung und Liebe extrem.

Cormac McCathy hat hier wirklich ein Meisterwerk geschaffen. Von Beginn an hofft man mit dem Mann und seinem Sohn ums Überleben. Jeder Schritt vorwärts, in der verbrannten, dunklen Welt, ist verzweifeltes Hoffen und stetige Angst. Mit einem Einkaufswagen auf der Strasse sind sie auf dem Weg, Licht und Leben an der Küste zu finden. Doch dafür gibt es für sie nur eine Kraft, Ihre Liebe zueinander.

Der Dialog zwischen Vater und Sohn ist kurz und einfach, und genau dadurch werden die Situationen noch ergreifender. Respekt Mr. McCathy.

Sie lagen da und lauschten. Bringst du es fertig? Wenn es so weit ist. Wenn es so weit ist, wird keine Zeit sein. Jetzt ist Zeit. Verfluche Gott und stirb. Und wenn der Revolver nicht funktioniert? Er muss funktionieren. Wenn er aber nicht funktioniert? Könntest du diesem geliebten Menschen mit einem Stein den Schädel einschlagen? Steckt in dir ein solches Wesen, von dem du nichts weißt? Kann das sein? Halte ihn in den Armen. Genau so. Die Seele ist schnell. Zieh ihn an dich. Küss ihn. Schnell.


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Bewertung 10 von 10

18. März 2007

Paar Weise - Erika Pluhar

In Geschichten und Gedichten gibt uns Erika Pluhar einen Einblick, in Ihre Gedankenwelt über Gefühle, von „Paarwelten“. Gefühle, die vielleicht schon jeder von uns einmal spüren durfte. Sie stellt dar, wie intensiv auch nur kurze Begegnungen sein können, oder Erinnerungen an ehemalige Beziehungen. Wie sich ein Kind einen Vater erfindet und sich mit dieser Welt etwas vorlügt. „Paare“ in verschiedenster Form, in freundschaftlicher Liebe, in Kinderliebe oder Liebe in einer Beziehung.

Erika Pluhar spürt dem rätselhaften, dritten Wesen „Paar“ nach, das Gelegenheitsbekannte ebenso wie Liebende unweigerlich hervorbringen und das rasch machtvoll auf die beiden Individuen zurückwirkt. (satz aus amazon-buchbeschreibung)


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Bewertung: 6,5 von 10

15. März 2007

Zwei Leben und ein Tag - Anna Mitgutsch

Gabriel, der Sohn von Edith und Leonard, ist kein Tollpatsch, nicht dumm, nein er lebt nur in seiner eigenen Welt, in der es nichts Böses gibt. Er kann ohne Ängste in seiner Welt leben, glaubt einfach was man ihm sagt, denn aus welchem Grund sollte ihm jemand etwas falsches erzählen oder ihn anlügen? Doch es gibt nicht nur seine Welt. Es gibt auch die „offizielle“ Welt, die wir mit jeder unserer individuellen, eigenen Welt, verbinden müssen. Und in dieser Welt, in der ein Lachen nicht einfach Freundlichkeit ist, sondern auch eine verletzende Verwendung annehmen kann, hier ist Gabriel hilflos.
Anna Mitgutsch erzählt durch Briefe von Edith an ihren Ex-Mann Leonard, wie sie aus ihrer Welt, den Ablauf, die Entwicklung ihrer Ehe, und das Leben mit Gabriel empfunden hat. Jahrzehnte ist sie, aus beruflichen Gründen ihres Mannes, von einem Ort zum anderen mitgezogen. Eine wesentliche Verbindung von Edith und Leonard, war die Begeisterung für den Literaten Herman Melville. Der Schriftsteller von „Moby Dick“, dessen Nomadenleben ihrem glich, und der exzentrisch lebte wie Gabriel.
Der Roman hat mir mitgeteilt, dass Menschen deren Gedanken von der Norm abweichen keine Möglichkeit finden, eine Schnittstelle zur offiziellen Welt aufzubauen. Meine lieben Leser, Toleranz und Offenheit ist gefragt !


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Bewertung: 6,5 von 10

14. Februar 2007

Die Kolonie - Chuck Palahniuk

Genau das ist Chuck Palahniuk. Er schreibt erschreckend, schockierend, außergewöhnlich, ideenreich, kompromitierend, herausfordernd, direkt, ohne Grenzen.
Aber nicht plump oder unbedacht, nein, so dass man einfach mal Luft holen muss.

Miss America, Sankt Prolaps, Agent Plaudertasche, Graf Schandmaul, Lady Tramp, Miss Rotz, Reverend Gottlos, Gräfin Weitblick, Missing Link, Herzog der Vandalen, Der Kuppler, Mutter Naur, Killerkoch, Baronin Frostbeule, und noch einige, alle tragen eine Beschreibung ihrer Person im Namen. Alle diese Schriftsteller wollen also dem Aufruf von Mr. Whittiers folgen, durch einen gemeinsamen Ausstieg aus der Gesellschaft, für 3 Monate, ein neues erfolgreiches Leben zu beginnen. Doch dieser Ausstieg führt zu Mord, Selbstmord, Selbstverstümmelung und Selbstoffenbarungen der Teilnehmer. Es passiert schreckliches, und es muss noch etwas Schrecklicheres passieren, denn sonst ist es für den Leser nicht mehr interessant, oder?
Wozu sind Menschen heute fähig, oder wozu wären sie im Stande, um ins Rampenlicht zu kommen, um Erfolg zu haben, um Geld, Reichtum zu erlangen, um als unvergessen zu gelten.

Und Chuck Palahniuk zeigt mit seinem Buch das genaue Beispiel dafür. Er erzählt nur schreckliches. Der Inhalt dieses Buches lässt einen erschaudern, und man ist gleichzeitig fasziniert davon.
Warum legt man dieses Buch nach den ersten bösen, sadistischen Geschichten nicht einfach weg, sondern liest weiter, mit dem Wissen und der Hoffnung dass noch mehr davon kommen wird?

Jemand mit empfindlichem Magen, sollte dieses Buch nicht lesen.


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Bewertung 8 von 10

21. Jänner 2007

Das Echo der Erinnerung - Richard Powers

Alles das ich über dieses Buch gelesen und gehört habe, hat sich sehr interessant angehört.
Doch leider konnte mich die Geschichte von Richard Powers von Beginn an nicht dazu bringen, mich immer wieder auf die nächste Seite zu freuen. Ich habe das Buch nach 200 Seiten zur Seite gelegt. Das erste Buch, nach langer Lesezeit, das ich so beendet habe.
Und dann steht noch auf der Rückseite des Buches, …in einem Roman voller Spannung…, die für mich nicht zu finden war.
Ich finde auch das der Inhalt der ersten 200 Seiten auf 50 Seiten davon Platz gefunden hätte.

Mark Schluter kommt in Nebraska mit seinem Truck von der Fahrbahn ab und erleidet Gehirnverletzungen, er leidet am Capgras-Syndrom. Seine jüngere Schwester Karin ist immer an seiner Seite. Zum Glück hat er den Unfall überlebt, doch das Schlimmste für Karin ist, das er ihr nicht glauben will, dass Sie seine Schwester ist. Karin will das nicht als unlösbare Folge des Unfalles hinnehmen und sucht Hilfe beim Neurologen Dr. Gerald Weber. Für Diesen ist dieser Fall sehr interessant, doch nicht nur der Patient wird eine aufregende Studie für den verheirateten Neurologen, sondern auch die undurchschaubare Krankenschwester Barbara !
Die kollektive Erinnerung stellt der Schriftsteller mit einer zusammenhängenden Geschichte vom Leben der Kanadakraniche dar. Die tausende kilometerweite Zugroute bis zu Ihren, in ihrer Erinnerung eingeprägten, Nistplätze.

Als Trost, konnte ich doch ein paar wunderschöne Sätze finden wie zB diesen:
„Nächte animalischer Lust amüsierten sie jedes Mal, wenn sie wieder zu sich kamen, und zu der Peinlichkeit der Sprache zurückkehrten“


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Bewertung: 4 von 10

01. Jänner 2007

Morituri - Yasmina Khadra

Yasmina Khadra ist das Pseudonym des 1955 geborenen algerischen Autors Mohammed Moulessehoul. Bis 2000 hoher Offizier der algerischen Armee, lebt seit 2001 mit seiner Familie im Exil in Frankreich.

…aber was kann man von einem System erwarten, das sich schon am Morgen seiner Unabhängigkeit auf die Witwen und Waisen seiner eigenen Märtyrer gestürzt hat, um ihnen Gewalt anzutun…

…Ich kannte einmal einen kleinen Dealer. Einen ganz und gar abgestoßenen Dreckskerl, in der Todsünde war er so in seinem Element wie die Filzlaus in der Unterhose eines Hippies. Heute hat er eine abgesägte Schrotflinte in der Hand und einen Koranvers auf den Lippen und rächt sich munter an allen, die ihm einmal Schwierigkeiten gemacht haben. Ob es den verehrten Imamen gefällt oder nicht, falls dieses Miststück je im Paradies stranden sollte, lasse ich mich von einem Klempner kastrieren.
Beim Pöbel gilt er trotzdem als Märtyrer. Seit der Terrorismus im Namen der Religion antritt, wissen die kleinen Leute nicht mehr wohin. Alles, was nach Fundamentalismus riecht, verunsichert sie. Wie seit jeher lassen sie die Tragödie über sich ergehen und halten sich nicht weiter damit auf. „Nach mir die Sintflut!“ sagt schon das alte Sprichwort. Und keine Einsamkeit ist schlimmer als die Einsamkeit des Schiffbrüchigen.

Und so erzählt der Protagonist, Kommissar Llob, in diesem sehr informativen, interessant, politisch dargestellten Roman. Bürgerkrieg in Algerien. Radikale islamische Kämpfer. Terroranschläge gegen liberale Künstler und Intellektuelle und eben gegen eine wehrlose Landbevölkerung.
In seinem Land will Kommissar Llob für Gesetz und Ordnung kämpfen. Doch gewaltsam werden immer Freunde, Kollegen und andere bewundernswerte Menschen getötet.
Als Beamter sieht sich der Kommissar auf ein undurchdringliches Geflecht von Politik, Terror und Verbrechen ankämpfen.

„Wunder sind nur was für fromme Christen“.

Yasmina Khadra, macht Literatur eindringlicher, als manch noch so gut recherchierten Fernsehbericht.


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Bewertung: 8,5 von 10

29. Dezember 2006

Die Speed Queen - Stewart O´Nan

Marjorie sitzt in der Todeszelle in einem Gefängnis in Oklahoma, und beginnt kurz vor ihrer Hinrichtung ihre Lebensgeschichte auf Band zu sprechen. Sie erzählt über Erlebnisse in ihrer Kindheit, ihre nicht gerade herzzerreißende Beziehung zu ihren Eltern, den Beginn ihres persönlichen Niedergangs, ausgelöst durch ihre Liebe für Lamont. Denn danach bestand Ihr Leben aus Autos, Drogen und Sex und sonst nichts. Alleine diese Vorstellung von Leben, macht diesen Roman erschreckend.
Ihre Liebe lässt beide weiter blind durchs Leben gehen, trotz des Glücks eines gesunden Kindes, lassen sie nicht mehr von ihrem bisherigen Leben ab. Sondern es folgt das Dealen, Raub und aus Raub vielfacher Mord.

Die Geschichte ist dramatisch, sie bewegt, ist nicht gerade die verlässlichste Erzählung durch die Protagonistin aber fesselt ungemein.


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Bewertung 6 von 10

10. Dezember 2006

Harun und das Meer der Geschichten - Salman Rushdie

Harun Khalifa, Sohn des Geschichtenerzählers Rashid „Schah von Bla“, befindet sich in einer unangenehmen Situation. Seine Mutter verlässt ihn und seinen Vater ganz plötzlich, und darauf folgt etwas unvorstellbares, Rashid „Schah von Bal“ kann keine Geschichten mehr erzählen, alles weg. Nun ist es die Bestimmung von Harun zu retten was er liebt und das sind seines Vaters „Meer der Geschichten“.
Damit beginnt das größte Abenteuer von Harun. Gleich zu Beginn seiner Reise trifft er durch den „Erzählwasserhahn“ auf „Wenn den Wasser Dschinn“, der Ihn zu „Aber der Wiederhopf“ führt. Mali der schwimmende Gärtner wird Harun daraufhin ebenso begleiten, wie die Vielmaulfische. Alle Gemeinsam werden mit Hilfe von Harun die Mauer aus Nacht zu den „Chupwalas des finsteren Meeres“ durchbrechen müssen, um die Geschichten retten zu können.
Ob der Geschichtenerzähler Rashid Khalifa sein Erzählwasserabonnement wieder zurückbekommen wird, kann man nur erfahren, wenn man dieses Buch mit seiner wunderschönen, bildgewaltigen, poetischen Sprache liest.


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Bewertung: 7,5 von 10

Der Alte, der Liebesromane las - Luis Sepulveda

Eine kleine Geschichte von 110 Seiten, aber inhaltlich fantastisch Groß !!
Von der ersten bis zur letzten Seite ist dieses Buch berührend und traurig. Traurig deshalb, weil man liest wie skrupellos der Mensch, hoffnungslos das Leben und begrenzt die Liebe sein kann. Antonio Jose Bolvar Proaños Leben erzählt uns all das.

In der Hoffnung nach der Umsiedelung ins Amazonasgebiet ein sicheres Leben mit seiner Frau aufbauen zu können, verlässt er sein kümmerliches Dorf in den Bergen, in dem es bereits „Nichts“ gab. Die Frage die sich stellt: „Wird das in der neuen Heimat wieder zutreffen“?
Zu welchem Menschenschlag man sich entwickelt bzw. verändert, wenn einem das Leben nur „nimmt“, daran kann man beim Lesen dieser Geschichte teilhaben.

Politik, Kultur und Natur wundervoll miteinander verbunden. Superschön zu lesen.


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Bewertung 7,5 von 10

Der Malteser Falke - Dashiell Hammett

Ein Kriminalklassiker. Zufällig in die Hände bekommen und gerne fertiggelesen.
Der Inhalt fesselt von Beginn an, man wartet spannend auf den Ausgang des Falles. Der Privatdetektiv, der nur eine Person beschatten soll, wird dann mit einigen Morden konfrontiert und sogar auf der Liste der Polizei findet sich dann sein Name. Doch gerade dieser standhafte Detektiv, erzeugt durch sein nachforschen große Spannung und Neugier beim Leser.


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Bewertung: 6,5 von 10

25. November 2006

Narrenwinter - Alfred Komarek

Eines Vorweg: Der erste Daniel Käfer Roman „Die Villen der Frau Hürsch“, ist Komarek am besten gelungen. Schon sein darauf folgender Roman „die Schattenuhr“ konnte da nicht wirklich mithalten. Trotzdem, wenn man mit Daniel Käfers Geschichte begonnen hat, möchte man doch am laufenden bleiben.
Sehr schön und interessant zu lesen sind wieder die geschichtlichen Hintergründe, die nett dargestellten Traditionen und die Beschreibungen des Ausseerlandes.
Beim Faschingstreiben gibt es die außergewöhnlichen Narrenkleider wie die Flinserl, Trommelweiber oder auch die Ebenseer Fetzen. Hört sich so richtig urig an.
Auf jeden Fall lernt Daniel Käfer wieder einige Menschen mit geheimnisvollen Lebensgeschichten kennen. Und diesmal in der liebevollen Begleitung seiner Freundin, der Fotografin Sabine, die bei diesem ganzen Faschingstreiben auch nicht aus dem Staunen heraus kommt.

Ich werde auch den nächsten Roman lesen, in der Hoffnung, dass es noch mal so eine ergreifende Geschichte wird, wie die der „Die Villen der Frau Hürsch“.


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Bewertung 5 von 10

19. November 2006

Stille - Tim Parks

Was mir an diesem Roman gefallen hat ist, wie gut und interessant Tom Parks das Seelenleben des Protagonisten Harold Cleaver dargestellt hat. Harold Cleaver´s Gedanken, ständig wechselnd in der Zeit, den Stimmen und den Themen. Cleaver ein, jeden Tag im Rampenlicht arbeitender Journalist, Talkshow-Master und Doku-Filmemacher, wünscht sich von Heute auf Morgen, Stille! Doch auch wenn man von England nach Tirol verschwindet, sich in eine abgelegene Hütte verkriecht, lässt sich das bisher er- und gelebte Leben, im Kopf nicht einfach löschen. Alles wird, gerade in dieser Stille, in Frage gestellt. Und in Cleaver´s bisherig turbulenter Familien- und Arbeitswelt, nimmt das anscheinend kein Ende.




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Bewertung: 6,5 von 10

26. Oktober 2006

Der kaukasische Gefangene - Wladimir Makanin

In jedem seiner Bücher findet man dieses graue Bild der russischen Großmacht. Doch einfach faszinierend finde ich Wladimir Makanins schonungslosen Realismus, der mich bis jetzt noch immer an seinen Büchern gefesselt und berührt hat. Es ist so tragisch in welchen Umständen die Menschen in Russland heute noch leben müssen. Die Hoffnung auf Besserung für die nahe Zukunft, scheint wohl ebenfalls vergebens.

In diesem Buch werden drei Geschichten erzählt.
Der kaukasische Gefangene, Der Buchstabe „A“ und Eine geglückte Liebesgeschichte.
Krieg, Gefangenschaft und Liebe, alle diese Themen werden auf eine dramatische Weise dargestellt. W. Makanin beschreibt erschreckend deutlich, wozu Menschen fähig sind.
Wie immer, wunderbar geschrieben.



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Bewertung: 6,5 von 10

17. Oktober 2006

Die Vermessung der Welt - Daniel Kehlmann

Dieses Buch „liegt einem einfach gut in der Hand“.
Die “Vermessung“ des Lebens und Wirkens des berühmten Mathematikers Gauß und des Weltvermessers Humboldt, könnte nicht besser gelungen sein. Wie diese zwei Männer ihr Leben gestaltet und gemeistert haben, ist von Kehlmann unterhaltsam, humorvoll und intelligent dargestellt. Wie toll und interessant Geschichte „gelesen“ werden kann, das zeigt uns Kehlmann in seinem neuen Buch. Man braucht zu diesem Buch nicht viel zu sagen, man sollte es einfach lesen! Wunderbar !


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Bewertung 8,5 von 10

10. Oktober 2006

Von der Schönheit - Zadie Smith

Dieser Roman zeigt einen zeitlich begrenzten Abschnitt aus dem Leben einer Familie aus Boston. Die Schriftstellerin Zahir Smith, lässt uns das Alltagsleben des Professor Mr. Belsey, sein Familienleben und seine Arbeitswelt miterleben. Jede Person der Familie bekommt in diesem Buch die Möglichkeit sein Verhältnis zur Familie, seine Probleme, Interessen und Pläne für die Zukunft darzustellen. Diese Personen sind Mr. Belsey, dessen Frau und die drei Kinder Zora, Levi und Jerome. Die Kinder studieren, gehen zur Schule und Mrs. Belsey ist die Frau die alles in Schwung hält. Es wird geliebt, gelogen und betrogen, gestritten und oft verzweifelt. Es passiert viel unverhofftes, eben so, wie das Leben spielt.
Ein mühsames Leben, bei dem sich die Frage stellt, ob es Hoffnung auf Besserung geben kann ?


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Bewertung: 5,5 von 10

18. September 2006

Höhenrausch - Ildikó von Kürthy

„Liebe! Romantik! Ein supertolles Buch!“ Harald Schmidt
Wegen diesem Kommentar am Buchrücken, habe ich dieses Buch gekauft und ich kann nur sagen, die Beschreibung trifft zu.
Eine Geschichte die auch als Drama dargestellt werden könnte, ist in diesem Buch realistisch, lustig und sehr amüsant erzählt.
Wie geht es einer Frau, die mit 35 Jahren in Beziehungsprobleme stolpert ? Daraufhin ihre Wohnung mit einem Unbekannten aus Berlin, für einige Zeit tauscht, um von ihrem Alltag Abstand zu bekommen. In dieser Stadt niemanden kennt und dann durch Zufall einen liebenswerten, etwas hektischen Mann, der aber Männer liebt, kennen lernt. Und dann steht der „Neue Nachbar“, ein attraktiver 40jähriger Businessman, mit der Bitte um Kaffee, in der Wohnungstür ?
Das Leben dieser Frau stellt uns Themen, Situationen, Gefühle und Gedanken dar, von denen auch wir schon über Einige in unserem Leben zum schmunzeln und nachdenken gebracht wurden.
Wie viel Lustiges, und Schönes eine Frau im besten Alter, in einer fremden Stadt erleben kann, darf man mit Humor und Spannung in diesem Roman miterleben.


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Bewertung: 7,5 von 10

15. September 2006

Jedermann - Philip Roth

Die Geschichte in diesem Buch will uns im Allgemeinen mitteilen, dass jeder im Leben seine Last zu tragen hat. Im Detail geht es um die Lebensgeschichte eines Mannes und wie er mit seiner „Last“ umgeht. Und die „Last“ heißt: Angst vor dem Tod und Angst vor dem unerträglich-alleine-sein im Alter. Diese Ängste verfolgen den Protagonisten von Kindheit an, in der er die Erste seiner vielen noch folgenden Krankheiten hat.
Doch je älter er wird, desto beängstigender wird der Gedanke, was noch alles bevorstehen könnte: die Abhängigkeit, die Hilflosigkeit, die Isolation und wieder die Angst. Und nicht zu vergessen, die Manneskraft die auch nicht bis in alle Ewigkeit erhalten bleiben wird.
Welche Ängste hat ein Mann noch, der drei Ehen hinter sich hat, und schlussendlich dann doch Alleine da steht?

Nach dem ich auch sein Buch „Der menschliche Makel“ gelesen habe, waren meine Erwartungen sehr groß. Und wieder mal mein Fazit daraus, man sollte keine Erwartungen haben, denn dann ist die Enttäuschung nicht so groß.

Nachfolgend eine Amazon Rezension, der ich mich voll und ganz anschließen muss !!
Ich verstehe nicht, warum so ein mediokrer Schriftsteller derart hoch geehrt wird. Es ist alles Mittelmaß an diesem Buch. Die Weisheiten, die in dem Buch enthalten sind, lassen sich mühelos auf eine einzige Buchseite vereinen. Zugegeben es gibt sie, aber eben nur eingestreute Sandkörner in einem Haufen literarischem Mist. Es tut mir leid, so viel Geld für diese extragroß gedruckte aufgeblähte Broschüre ausgegeben zu haben.



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Bewertung: 1 von 10

11. September 2006

Das Wetter vor 15 Jahren - Wolf Haas

Das Wolf Haas bis jetzt immer Krimis geschrieben hat, und dieses Buch nun sein erster Liebesroman ist, lässt sich nicht verbergen. Die Idee, die den Autor zu dieser Liebesgeschichte veranlasst hat, ist wirklich „anders“ und gut, finde ich. Aber im Hintergrund ist immer ein „krimineller touch“ zu finden.
Das besondere an diesem Roman, ist ja eigentlich wie die Geschichte erzählt wird. Und zwar in einem Dialog, einem Gespräch zwischen Wolf Haas und einer Frau, die eine Literaturbeilage für eine ….Tageszeitung schreibt.
Wolf Haas erzählt seine Liebesgeschichte während er dieser Frau Fragen beantwortet. Beginnend mit der Entstehung der Idee zu diesem Buch über die Kontakte zu einigen Romanfiguren und welche Gedanken er während der Überarbeitung des Textes hatte.

Die Grundidee, ein Buch in dieser Art zu schreiben, sollte das Weglassen von zusätzlichen Seiten von Beschreibungen einer Geschichte sein, die ein Buch oft stellenweise uninteressant werden lassen. Und das versucht Wolf Haas nun, durch diesen Dialog, zu vermeiden. Teilweise passiert ihm aber dasselbe mit einigen Dialogen, die sich mit einem Thema in die Länge ziehen. Ob er das absichtlich so geschrieben hat? Wer weis.
Es ist auf jeden Fall ein gelungenes Buch. Obwohl ich es am Ende nicht einen „Liebesroman“ nennen würde. Dafür liegt beim Lesen zu wenig „Liebe“ in der Luft.

Doch lesen Sie selbst wie ein Mann aus dem Ruhrgebiet, nach 15 Jahren das Urlaubsziel seiner Jugend, in Österreich, wieder besucht. Und warum er von diesem Ort das Wetter eines jeden Tages dieser letzten 15 Jahre, auswendig kennt.


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Bewertung: 6,5 von 10

03. September 2006

Jenseits von Afrika - Tania Blixen

Hat man den Filmklassiker mit Maryl Streep, Robert Redford und Klaus Maria Brandauer bereits gesehen, so findet man aber, nach dem man das Buch gelesen hat, heraus, dass der Roman die schönste Liebesgeschichte über das Land Afrika ist.
Genauso wie der Film, ist auch das Buch ein Kunstwerk.
Der Roman stellt das Drama der Liebe zu Afrika und den dazugehörigen Stämmen, und deren Leben dar.
Tania Blixen wurde 1885 in Kopenhagen geboren. Sie heiratet, und versucht 1914 mit Ihrem Mann eine Existenz auf einer Kaffeeplantage in Kenia aufzubauen.
Nach der Scheidung versucht sie alleine ihre 6000 Morgen Land, davon 600 Morgen Kaffeeplantage zu verwalten. Doch die Farm liegt im Hochland und es wird immer schwieriger alleine vom Kaffeeanbau zu leben.
Durch Ihre 17 Jahre, die sie dort gelebt, und gearbeitet hat, kann sie uns diese wundervolle und interessante Welt Afrikas so irrsinnig nahe bringen.
Sie schreibt fesselnd, aber nicht dramatisch oder sehr berührend. Sie schreibt einfach richtig gut. Es ist als würde man jede Geschichte die sie erzählt, am jeweiligen Schauplatz in Kenia direkt miterleben. Man gewinnt einen tollen Einblick in das Leben der verschiedenen Stämme, die auf den 6000 Morgen Land leben, den Kijuku, Somali oder Massai. Geheimnisvolle Stämme.
Dazu kommen ihre Beschreibungen über das afrikanische Hochland. Natur und Kultur werden durch die Schriftstellerin eine vollkommene Einheit.




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Bewertung 8 von 10

23. August 2006

Lanzarote - Michel Houellebecq

Es ist ein unverkennbarer „Houellebecq“.
Es werden alle seine Themen wie, Sex, Religion, Liebesschmerz, angesprochen.
Obwohl er diese Erzählung sehr oberflächlich und ohne Höhepunkt geschrieben hat, gibt er wieder ganz die Dramatik des Lebens an uns weiter. Es ist sehr berührend, wie er die Situation von einem Polizisten beschreibt, dem das wichtigste in seinem Dasein verloren geht. Die Utopie einer Sekte gibt ihm letztlich Halt. Doch er ist nicht der Einzige, der auf Lanzarote Urlaub macht, dessen Inneres so leer ist, wie die Insel selbst.



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Bewertung 6 von 10

16. August 2006

UC - Helmut Krausser

H. Krausser stellt mit diesem Roman eine tolle Verbindung von Realität und Fiktion dar.
Durch das Leben des Protagonisten, Arndt Hermannstein (ein Dirigent), lässt er uns mit einsteigen in eine andere Welt. Nein, in vielleicht zwei parallel laufende Welten, mit denen Arndt Hermannstein dann zu kämpfen hat. Dabei beginnt ein Ineinanderfließen von Erinnerung und Gegenwart des Dirigenten, in dem ein krimineller Vorfall der Vergangenheit eine wichtige Rolle zu spielen beginnt.

Verwirrend, interessant, spannend. Leider nicht fesselnd bis zum Ende. Schade, wegen der tollen Idee.

Die schlechten Kritiken, die ich gelesen habe, finde ich oft furchtbar übertrieben.


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Bewertung 6 von 10

09. Juli 2006

Die schöne Aussicht - Renate Welsh

Dieser Roman ist eine berührende Lebensgeschichte einer Frau aus Wien. In Ihrem Leben genügte es nicht, dass Ihre Eltern Sie nicht mochten, Sie nicht wollten, Sie gefühlskalt herumkommandiert wurde, Nein, es sollte sich auch noch ein Teil davon in der Zeit des grauenvollen 2. Weltkrieges abspielen.
Rosa, die Protagonistin, zeigt uns durch ihr Leben, das mit Leid, Trauer, Wut und Selbstzweifel durchzogen ist, wie sehr man es doch schätzen sollte, in einer harmonischen Familie aufwachsen zu dürfen und nicht direkt mit Krieg konfrontiert zu sein. Krieg, dass heißt Hunger, Krankheit, Tote, Kälte, Verrat, Lüge, Demütigung.
Doch kann Rosa dann Augenblicke des Glückes empfinden als Sie Josef kennen lernt ? Und kann er Ihr helfen, aus Ihrer Familie zu entkommen ?
Von Außen lässt Rosa keinen in sich hinein sehen, Sie zeigt sich ruhig, mit wenig Gefühl und schweigend. Wie kommt Rosa nun innerlich mit Ihrem Umfeld klar, was verbirgt sich in Ihrer Gedankenwelt ?
Ein wundervolles, interessantes Buch von Renate Welsh. Besser kann Geschichte nicht dargestellt werden. ...


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Bewertung: 9 von 10

04. Juli 2006

Der blinde Masseur - Catalin Dorian Florescu

An diesem Buch hat mir sofort die Dichte des Inhalts gefallen. Catalin Dorian Florescu, der Schriftsteller hat schon nach ein paar Seiten eine große Fülle entstehen lassen, und das hält bis zum Ende des Buches an.

Die Geschichte handelt von einem jungen Mann, der nun in der Schweiz lebt und das Verlangen hat, wieder in seine Heimat Rumänien, aus der er geflohen ist, zurückzukehren. Obwohl er es geschafft hat, in der Schweiz ein angenehmes Leben zu führen, gibt es in der Vergangenheit anscheinend noch Fragen, die unbedingt geklärt werden müssen. Das ständige Nachdenken und Grübeln, verhindert ein unbeschwertes Leben in der neuen Welt. Immer dieser Zweifel, ob es denn richtig war zu fliehen ? Der Entschluss steht fest, und die Reise in die Vergangenheit kann beginnen.

In diesem Roman lernt man das Land Rumänien kennen, und die Sehnsüchte der dort lebenden Menschen. Wovon Sie träumen und, dass Gewalt, Skrupel und Betrug allgegenwärtig sind.
C.D. Florescu lässt in diesem Buch viele interessante Bilder von Rumänien entstehen.




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Bewertung: 6 von 10

03. Juni 2006

Attentat - Amélie Nothomb

Amélie Nothomb schreibt in diesem Buch über eine Liebe, die nur einer der beiden Protagonisten für den anderen empfindet. Und ob es durch Intelligenz alleine möglich ist, auch die Liebe des Geliebten entflammen zu können.
Noch dazu wurde dem Liebenden keine Schönheit mit ins Leben gegeben. Eigentlich ist er richtig hässlich. Aber an Selbstbewusstsein mangelt es ihm überhaupt nicht.
Ob es nun doch möglich ist, dass sich die beste Freundin in den besten Freund verliebt, könnt ihr schon nach nur 194 Seiten erfahren.
Die Geschichte spricht auch Themen an wie, die Ästhetik, Masochismus, die Ausgrenzung von Menschen durch ihr Aussehen, wie sich die Persönlichkeit eines Menschen, in einem missratenem Körper einrichtet und vieles mehr.
Sehr deutlich wird gezeigt, wie schmerzhaft die "wahre Liebe" ist und zu welchen Handlungen es den Leidenden bringen kann.


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Bewertung 4,5 von 10

28. Mai 2006

Die Elster auf dem Galgen - John Vermeulen

John Vermeulen schreibt wieder wunderbar über die Lebensgeschichte eines Künstlers des 16. Jahrhunderts, diesmal über den niederländischen Maler Pieter Bruegel. Schon wie in seinen beiden anderen Büchern, zeigt Vermeulen auch in diesem Roman die Ungerechtigkeit und Kontrolle der Bevölkerung durch die Herrschaft der Kirche, im 16. Jahrhundert. Diese unvorstellbar schreckliche und unmenschliche Zeit wird von Vermeulen ein weiteres mal sehr plastisch dargestellt. Er zeigt, dass ein Menschenleben in diesem Jahrhundert überhaupt keinen Wert hatte, solange es nicht adelig oder kirchlich war. Mord, Folter, Vergewaltigung, Verstümmelung, Häuser und Ernten verbrennen, Abgaben an die Kirche trotz Hunger, Not und Kälte. Als wäre die katholische Kirche nicht schon Strafe genug, so werden die Niederlande auch noch durch die Herrschaft der Spanier gequält.
Der Roman ist vom Beginn bis zur letzten Seite sehr spannend, interessant und voller, schrecklicher Überraschungen.

Als kleiner Junge sieht Pieter mit an, wie man zwei Ketzer erhängt. Ohne darüber nachzudenken, macht er eine Skizze vom Galgen. Doch schon dafür, hätte er auch als Kind, als Strafe selbst dort hängen können. Seine fesselnde Leidenschaft die Ihn zum Malen zwingt, bringt Ihn oftmals in eine lebensgefährliche Lage. Obwohl ihm der Bischof Granvelle das Leben zu Hölle macht, ist der kunstinteressiert Bischof auch Pieters Schutz vor dem Ketzertod.


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Bewertung: 9 von 10

18. Mai 2006

Im Krieg und in der Liebe -Anna Tyler

Anne Tyler erzählt in Ihrem Roman die Lebensgeschichte eines Ehepaares (von den 50er Jahren bis Ende des 20. Jahrhunderts), vom Kennen lernen in ihrer unbekümmerten Jugend, von den Umstellungen und Anpassungen in die „Neue Zeit“ und die alltäglichen Bemühungen und Kompromisse die eine Ehe nach sich zieht, die sie so eigentlich Beide niemals wollten ?!
Es ist die realistische Darstellung zweier Menschen, die versuchen ein gemeinsames Leben zu meistern. Auch wenn andauernd gestritten wird, Meinungsverschiedenheiten an der Tagesordnung sind, wird dennoch immer versucht, es mit einem lachenden Auge zu sehen. In jedem Fall ist Abends beim gemeinsamen Schlafen gehen, alles wieder vergessen.

Im Roman wird immer abwechselnd aus Sicht des Ehemannes und aus Sicht der Ehefrau erzählt. Daraus kann der Leser sehr gut erkennen und verstehen, wie jeder Einzelne das Zusammensein auf seine Art und Weise empfindet. Der Leser fühlt und Lebt mit den Protagonisten, was ein großes Kompliment an die Authorin darstellt.

Michael und Pauline, jeder in der Nachbarschaft könnte erzählen, wie sie sich kennen gelernt haben…so beginnen die ersten Zeilen in diesem Roman, aber was man in 30 Jahren Ehe mit drei Kindern alles noch durchlebt, das können Nachbarn nicht wissen … der Leser aber sehr wohl.



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Bewertung 6 von 10

08. Mai 2006

Zwölf Ringe - Juri Andruchowytsch

Für mich ist dieses Buch eine düstere, negative Darstellung der Ukraine, obwohl es laut Anhang eine Liebeserklärung an das Land sein soll. Auch die Story, mit der Juri Andruchowytsch seine Gedanken über dieses Land und die Liebe zu ihm darstellt, hatte für mich nichts fesselndes, oder gar interessantes an sich. Im ganzen Verlauf des Buches, lässt J.A. den jahrhunderte andauernden, noch immer allgegenwärtigen Einfluss Russlands, erkennen. Die vielen sprachlichen Mischformen die in der Ukraine entstanden sind, führen zwangläufig zu einem tiefen Mißverständnis auch innerhalb des eigenen Landes.
Und das lässt J.A. den Leser, durch immer wieder eingestreute Wörter oder Sätze aus diesen vielen verschiedenen Sprachen, bewusst miterleben. Es herrscht einfach ein verwirrendes Durcheinander, nicht nur in der Ukraine, sondern auch in diesem Buch.

Karl Josef Zumbrunnen, ein österreichischer Fotograf, reist immer wieder in die Ukraine. Auf dem Weg in die Karpaten, schließt er sich einer Gruppe an. Dieser Ausflug gibt dem Leser einen Einblick in den Beginn eines neuen Staates, die fortschreitende Resowjetisierung und die historischen Einflüsse, aus denen sich dieser junge Staat zu dem entwickelt hat, was er heute ist.



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Bewertung 4 von 10

01. Mai 2006

Anastasia - Wladimir Megre

Eine junge Frau, angeblich die Botschafterin eines uralten Volkes aus der Taiga, lebt alleine in einem Wald und wird, die „Tochter der Taiga“ genannt. Sie braucht fast nichts zu Essen zB. Eichhörnchen bringen Nüsse und das reicht. Geschlafen wird vor oder in der Höhle eines Bären, oder irgendwo im Freien. Durch Ihre paranormalen Kräfte weis sie über alles in der Welt bescheid. Sie braucht keine Bücher und auch keine Mitmenschen um etwas zu Lernen.
Und zufällig, ist sie nun Wladimir Megre, bei seiner Geschäftsreise auf dem sibirischen Fluss Ob, nach Nowosibirsk, „natürlich im Wald“ begegnet.
Dort zeigt sie Ihm wie einfach, heilsam, beruhigend und interessant das „Eins-Sein“ mit der Natur ist und so nebenbei weis sie auch, wie alle anderen Probleme dieser Welt zu lösen wären! Wladimir ist der Mann der ein Buch schreiben soll, damit alle Menschen von ihr und ihrem „kosmischen Strahl“ erfahren können, vergleichbar mit den Aposteln Jesus, denen wir das neue Testament zu verdanken haben.

Dieses besagte Buch und die darin enthaltenen Botschaften, soll Millionen Menschen in Russland und nun auch schon über den russischen Sprachraum hinaus, berührt haben.
Es versucht Hoffnung und Liebe als die wesentlichen Elemente des Lebens darzustellen und spricht wieder alle weltbewegenden Themen an, wie: Gesundheit, kosmische Heilkräfte, richtige Ernährung, Ursachen und Hintergründe von Krankheit und Zukunft der Menschen.
Themen also, die aktuell viele Menschen berühren, die auf der Suche nach ein bisschen Sinn in ihrem Leben sind. Voraussetzung dafür ist, dass es in leicht verdaulicher Form konsumiert werden kann, dass ist Megre in jedem Fall gelungen, ich habe selten ein so schlechtes Buch gelesen. Infantile und 3-6 jährige werden ihre Freude mit diesem Schrott haben.




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Bewertung: 0 von 10

26. April 2006

Madame Bovary - Gustave Flaubert

Wenn es doch nicht immer so schwierig wäre, seine Träume umzusetzen. Auch Madame Bovary hat Ihre Träume. Und ein Traum, den jede Frau hat, ist auch der Ihre. Den Mann an Ihrer Seite zu haben, der Ihr Herz vom ersten bis zum letzten Tag immer aufs Neue berühren kann. Wo die Leidenschaft nie erlischt. Ein Mann den es glücklich macht, an Ihrer Seite zu sein.
Doch leider besteht Madame Bovary´s Traum nicht nur darin, sondern Sie verwechselt in Ihrer Sehnsucht die Sinnesreize des Luxus mit den Freuden des Herzens, und die Eleganz der Manieren mit den Feinheiten des Gefühles. Und damit beginnt sich alles in eine ungewünschte Richtung zu verändern.

Madame Bovary ist verheiratet mit einem Arzt. Ein Ehepaar das, durch das recht gute Einkommen des Ehemannes, ein angenehmes zu Hause hat und ein unbekümmertes Leben führt. Ihr Ehemann bemüht sich sehr diesen Status beizubehalten, und muss daher viel Zeit für seine Arbeit aufbringen. Er liebt seine Frau über alles und bekommt genug Dankbarkeit und Fürsorge dafür von Ihr zurück. Auch als es Ihr einmal eine lange Zeit sehr schlecht ging, zog er sofort in einen anderen Ort mit Ihr. Eine Veränderung, eine andere Umgebung vielleicht, sollte dann zur Genesung beitragen. Aber Sehnsucht, die nicht gestillt werden kann, die zerreißt einen fast, lässt eine immer wieder, auch ungewollt leiden.

Dieses Buch ist 1857 erschienen und es ist ein Genuss darin zu lesen. Ein Beispiel wie schön man sich damals mit Worten geäußert hat ist der folgende Satz „Haben Sie nicht zuweilen erlebt, dass Sie in einem Buch einem Gedanken begegnen, den Sie undeutlich selbst gehabt haben, einem Bild, das verblasst von weit zurückkehrt und gleichsam der völligen Klärung Ihres zartesten Gefühls.“




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Bewertung 6,0 von 10

16. April 2006

Der zerrissene April - Ismail Kadare

Die Geschichte in diesem Buch zeigt wieder, wie primitiv der Mensch sein kann. Wie Traditionen und Rituale, die vor hunderten von Jahren „erfunden“ wurden, noch bis ins 20. Jahrhundert fortgeführt werden. Hier schreibt Ismail Kadare über ein Ritual, das man die „Blutrache“ nennt. In Albanien wurde dieser, immer im Blut endende Racheakt, von den Menschen im Hochland „gelebt“. Auch keine staatliche Form der Verwaltung hat über das „Regiment des Kanun“, wie sich dieser Aberglaube nennt, die Hand erheben können.

Ismail Kadre will mit dieser Geschichte Einblick in das Leben im Hochland von Albanien, zeigen. Das Leben eines jungen Mannes, der ohne es zu wollen einfach ein Glied in dieser Rachekette ist, und aus dem das Entkommen anscheinend unmöglich ist.
Leider ist dieses Buch einfach nicht schön zu lesen. Die Sätze und Wortführungen sind plump und sehr einfach. Trotz der tragischen Geschichte konnte es mich, bis zur letzten Seite, nicht berühren. Vielleicht ist auch die Übersetzung, zum Teil, dafür verantwortlich. Schade !



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Bewertung: 2 von 10

04. April 2006

Zwischen Gott und der See - John Vermeulen

Eine Romanbiographie über Gerhard Mercator, einem aus den Niederlanden stammenden Kosmographen. Das Lebensdrama eines Mannes, der gegen Intrigen und Ignoranz der Gesellschaft kämpfen muss, um seinen Lebenstraum zu erfüllen.
Eine historische Geschichte aus dem 16 Jahrhundert. Mercators Arbeitswelt, sein privates Leben und der geschichtliche Hintergrund, harmonisch miteinander verbunden, im
neuen Roman von Vermeulen. Und es ist, wie schon sein letztes Werk "Der Garten der Lüste", sehr interessant und berührend geschrieben.

Der Humanist, Gelehrte und Kosmograph Gerhard Mercator verbringt ein sehr mühsames Leben auf dieser Welt. Geboren in einem Jahrhundert der gnadenlosen Inquisition und der Pest, war er gesegnet mit Talent und Ehrgeiz, die sich vor allem in seiner Arbeit wiederspiegeln. Talent und Ehrgeiz, sind auch die treibenden Kräfte, die Ihn sein ganzes Leben hindurch die Widrigkeiten dieses düsteren, ungerechten Zeitalters überwinden lassen. Er zeichnet Karten für die Seefahrt, in der Hoffnung, das Meer sicherer für die Schifffahrt zu machen. Und er hat dann DIE Idee, die seinen Namen bis Heute unvergessen macht. Ihm geling es, die Kugelform der Erde auf eine zweidimensionale Karte zu übertragen. Doch mit wie viel Arbeit, wie viel Freunden und Feinden, und auch Belastung hervorgerufen durch seine eigene Familie, er sich an sein Ziel nähern muss, geht nicht ohne Gefühlsregungen am Leser vorüber.

Bei beiden Büchern, "Der Garten der Lüste" und "Zwischen Gott und der See", wird man vom Schreibstil Vermeulen´s, so sehr in diese Zeit, Geschichte, mit hineingerissen, und das ist fesselnd und bewundernswert.


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Bewertung: 8 von 10

24. März 2006

Brokeback Mountain - Annie Proulx

Brokeback Mountain, ist eine Kurzgeschichte unter vielen, in dem Buch von Annie Proulx, über Cowboys in Wyoming. Doch schon diese Kurzgeschichte alleine, hat mich sehr berührt. Annie Proulx zeichnet für mich ein, noch sehr brutaleres Bild über das Alltags- und Familienleben von Cowboys, das man so, aus den Cowboyfilmen und Karl-May-Büchern, nicht kennt.
Annie Proulx ist, neben Ihrer Arbeit als Schriftstellerin, auch Historikerin und hat besonders Interesse an sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen in ländlichen Gemeinschaften. Die jeweiligen kulturellen Traditionen und Arbeitsweisen werden, von den Landschaften und klimatischen Bedingungen, bestimmt. Und darauf basieren auch Ihre Geschichten - ein schonungsloser Blick auf das Leben der Cowboys aus der Sicht von Annie Proulx.

Ennis del Mar erwacht, der Wohnwagen wird vom Wind gerüttelt, es ist kalt und trotzdem durchströmt ihn ein Lustgefühl, weil er von Jack Twist geträumt hat.
Sie waren damals noch Junge Burschen. Beide waren auf der Suche nach Arbeit auf einer großen Ranch, wo sie sich kennen lernten. Ennis war damals schon verlobt. Doch die paar Monate die sie am Brokeback Mountain zu Zweit verbrachten, um das Vieh dieser Ranch zu hüten, das war die Zeit, die sie für ewig verbinden sollte. Doch in dieser rauen Welt, kann das möglich sein, das sich zwei Männer lieben dürfen?




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Bewertung 7 von 10

13. März 2006

Underground oder Ein Held unserer Zeit - Wladimir Makanin

Eines meiner Lieblingsbücher, das ich nun zum 2. Mal gelesen habe und ich weis, das ich es sicherlich wieder mal zur Hand nehmen werde.
Dieser Roman von Makanin ist ein russischer Klassiker. Ein Roman der mich wieder von Beginn an in eine andere Welt versetzt hat. Ein Einblick in die Vergangenheit der russischen Gesellschaft. Eine kalte, traurige, hilflose Welt, die in Moskau im künstlerischen Underground herrscht. Und obwohl diese Lebensgeschichte des Underground-Schriftstellers nichts erwärmendes mit sich bringt, wirkte die Schreibweise von Makanin, von Anfang an, beruhigend auf mich. Es ist daher jedes Mal eine Freude wieder weiter zu lesen. Man lebt mit dem Protagonisten Petrowitsch einfach mit, man fühlt mit ihm mit und das berührt, sehr.
Eine Ich-Erzählung, dargestellt als überflüssiger Mensch.

Petrotwitsch´s Leben, spielt sich in einem großen, grauen Betonhaus, in dem sich hunderte kleine Zimmer-Wohnungen befinden, ab. Dort ist er gleichzeitig der Wächter, Verrückte aber auch Versager. Doch im Underground ist er ein bekannter, verkannter Schriftsteller. Petrowitsch will sein „Ich“ nicht aufgeben und ist nicht interessiert an irgendwelcher anderen Arbeit. Doch das Glück entdeckt zu werden, bleibt fern. Wie läuft so ein Leben als Wächter ab ? Es gibt viele Frauen die alleine in einem dieser Zimmer leben und sich auf den Besuch der UGler (Undergroundler) freuen. Und Wodka wird dort getrunken, wie bei uns ein Glas Wasser !! Egal, ob Frau oder Mann. Außerdem gibt es auch in Moskau ein Ausländerproblem. Die Kaukasier oder Armenier, die vor den Betonbunkern Ihre Waren zum Verkauf anbieten…
Und dann ist da noch Wenedikt. Wenedikt Petrowitsch, sein Bruder. Ein noch größeres Talent. Er ist ein talentierter Maler.



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Bewertung: 10 von 10

18. Februar 2006

Keine Lieder über Liebe - Heike Makatsch

Das Buch war amüsant zu lesen. Eine kurze Geschichte über eine Beziehung die nach zwei Jahren nicht mehr so aufregend ist wie zu Beginn.
Ellen schreibt in ihrem Tagebuch ihre Gedanken nieder. Sie versucht ihre Beziehung zu analysieren zu verstehen, während sie ihren Freund auf einer Arbeitsreise begleitet. Natürlich macht sie sich auch intensive Gedanken über einen Fehltritt von Ihr, in diesen letzten zwei Jahren !!

Manchmal wird über andere Handlungsstränge etwas zu ausführlich erzählt, doch dann überrascht sie wieder mit ganz interessanten Gedanken. Davon werden wahrscheinlich jeder Frau viele bekannt vorkommen.
Heike Makatsch soll auch einen Teil Ihrer privaten Geschichte mit diesem Buch aufgearbeitet haben.



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Bewertung 5,0 von 10

10. Februar 2006

Shalimar der Narr - Salman Rushdie

Dieses Buch kann man nur empfehlen, man erhält wieder mal die Bestätigung dafür, dass sich Himmel und Hölle hier auf Erden befinden.
Salman Rushdie verwebt in diesem Roman aktuelle und vergangene Kriegsgeschichte, 2. Weltkrieg bis zum Krieg von Indien und Pakistan über Kaschmir, den fanatischen, gläubigen islamistischen Kämpfern, Menschenrechte und Liebe in Europa und Asien.

Mühsam zu Lesen war am Anfang ein Teil der Geschichte über Asien in Verbindung mit vielen Namen und Orten wie zB. Gurjara, Gujrabad, Gujru, Gujdar-Kotta, Gujargarh oder Mullah Bulbul Fakh, Jehangir, da es für mich etwas verwirrend war. Und noch dazu wurden diese Sätze in überlanger Ausführung geschrieben. Aber das sollte niemanden abschrecken.
Die Übersetzung hat mir öfters nicht gefallen, das überlegt man des öfteren ob man sich nicht das Original hätte kaufen sollen.

Max Ophuls führt ein interessantes, ausgefülltes Leben beginnend als Weltkriegskämpfer in Europa bis zum US-Botschafter in Indien. Sein Leben ist spannend von Anfang an, voller Ideen und einer enormen Energie. Sein Auftreten ist selbstsicher und charmant. Auch das Liebesleben lässt er nicht zu kurz kommen, ob in Deutschland, Frankreich oder Indien. Ein Mann der schweigt und genießt. Doch irgendwann hat ja alles ein Ende. Und das Ende von Max wurde schon durch seine Lebensart vorherbestimmt.

Salman Rushdie beschreibt, durch diese Lebensgeschichte von Max Ophuls, sehr genau die Gewalt die auf dieser Welt herrscht. Und den Islam lässt er auf keiner Seite positiv erscheinen. Ich hoffe es wird bald möglich sein vernünftig mit diesen Gläubigen reden zu können. Ansonsten ist eine Lösung für Frieden unmöglich.




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Bewertung 8,5 von 10

23. Jänner 2006

Der Zahir - Paulo Coelho

Der Anfang des Romans hat mir gut gefallen, aber das hat sich rasch geändert.
Die Geschichte die Coelho erzählt, wird durch zusätzliche andere Handlungen in die Länge gezogen. Und die Worte Energie und Liebe, die möchte uns der Paulo anscheinend unvergesslich machen. Man liest sie einfach zu oft. Vielleicht sind schon mehrere Leser von seinem immerwährend gleichen Thema übersättigt, wie ich. Obwohl das Thema, Liebe, Glück und Ruhe finden, zeitlos ist. Doch es gibt viel schönere Geschichten darüber.
Coelho möchte uns in diesem Roman mitteilen, das Liebe frei sein muss.
Sie wird mir dann aber „zu frei“ dargestellt. Aber das sollte jeder für sich selbst entscheiden.

Eine Ehefrau verschwindet aus dem Leben ihres Mannes. Dieser beginnt nun über sein bisheriges Leben und die Ehe nachzudenken. Warum, wie konnte es so weit kommen, was habe ich falsch gemacht, wie kann ich Sie wieder finden, liebt Sie mich nicht mehr ? Dabei lernt er einen junge Mann kennen, der eine sehr wichtige Rolle bei der Suche nach seiner Frau spielt, oder besser gesagt bei der Suche nach sich selbst ?





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Bewertung 3 von 10

16. Jänner 2006

Senilitá - Italo Svevo

Wenn es jemanden interessiert, was, unter anderem, mit einem Menschen passiert der "liebt", wie er damit durchs Leben geht und mit seinen Mitmenschen umgeht, kann sich den Liebesroman von Italo Svevo, in kurzer Zeit, durchblättern.
Wie Leidenschaft Leiden schafft, das dürfte uns der Autor in dieser Tragödie eindringlich mitteilen wollen.

Emilio Brentani lebt mit seiner Schwester Amalia in einer kleinen Wohnung. Ein einfaches, unbeschwertes Leben. Ab und zu kommt sein Freund Stefano Balli, ein Bildhauer, zu Besuch, mit dem sich Emilio gut versteht. Emilio, ein reifer Mann, Schriftsteller der im Glauben ist, Allem gewachsen zu sein.
Ob er sich da nicht irrt, denn es tritt nun "Die" Liebe in sein Leben...
Trotz meist guter Kritiken konnte mich diese Geschichte nicht sehr begeistern.
Italo Svevo hat aber trotzdem sehr traurig die Geschehnisse und Auswirkungen erzählt, die im Umfeld eines Liebenden geschehen können.




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Bewertung: 4 von 10

19. Dezember 2005

Schnee - Orhan Pamuk

Wenn man sich noch keine Gedanken über Leben, Politik und Religion in der Türkei gemacht hat, dann wird der Eine oder Andere, nach dem Lesen von diesem Buch, beginnen dafür Interesse zu zeigen.
Orhan Pamuk bekam für diesen Roman den „Friedensnobelpreis des Deutschen Buchhandels, 2005“.
Ich habe noch kein anderes Buch zu diesem Thema gelesen, aber ich finde diese Auszeichnung, für dieses aktuelle Thema, ist angemessen.

Die Romanhandlung findet in Kars einer östlichen Stadt in der Türkei statt.
Ka, Kedrim Alakrusoglu, der Protagonist, ein Schriftsteller der schon seit einigen Jahren als Asylant in Deutschland wohnt, fährt wieder in seine Heimat um für eine Zeitung einen Bericht zu verfassen. Er soll den Grund eruieren, weshalb junge Frauen dort Selbstmord begehen, wenn sie ihr Kopftuch ablegen müssen. Durch diese Nachforschungen lernt er die Einstellungen und Handlungen aller gegeneinander Kämpfenden Gruppen kennen, den fundamentalistischen Kurden, Aserbaidschaner, Armeniern, Türken und dem dazugehörigem, starren, unangreifbaren Glauben des Islam.
Ka trifft auch seine damalige Schulkollegin Ipek, die jeden Mann durch ihre Schönheit blendet. Eine entstehende Zuneigung lässt sich nicht vermeiden.

Pamuk versucht sehr umfangreich, raffiniert und melancholisch, den islamistischen Glauben und die damit in Verbindung stehende Abneigung des Volkes zur westlichen Welt zu vermitteln.
Leider konnte ich mich mit seiner Wortführung, bis zum Ende nicht anfreunden, aber der aktuelle Inhalt überwiegt und die Handlung wird steigend interessanter, bis zur letzten Seite.




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Bewertung 7,5 von 10

02. Dezember 2005

Die Entdeckung des Himmels - Harry Mulisch

Vorweg möchte ich sagen, das es für mich eines der am schönsten zu lesenden Bücher war. Die Federführung von Harry Mulisch und die Übersetzung waren bewundernswert und sehr umfangreich.

Die Grundaussage, die dieser (wie auf der Rückseite des Buches bemerkt wurde) „Jahrhundertroman“ mitteilen möchte ist, dass im Leben „Alles Möglich Ist“.
Auf den 867 Seiten ist von Bildung, Geschichte, Abenteuer und Liebe alles und vieles zu finden.

Es wird über eine Freundschaft von zwei interessanten, intelligenten Männern erzählt, deren viele Gespräche meist auf einer sehr ironischen Ebene ausgetragen werden und dabei alles in Frage stellen wie zB. „ist Erfahrung vererbbar, was ist Glück, usw.“.
Max Delius ist von Beruf Astronom und der eher ruhigere, verständnisvollere Part der Beiden, Onno Quist ein Kryptograph bei dem man glauben könnte, das er in Ironie getränkt wurde, so sprudeln die Wörter aus seinem Mund.
Beide werden eine Beziehung mit Ada, einer Musikerin, eingehen, was natürlich sofort die Frage aufwirft, ob die Freundschaft von Delius und Onno dadurch gefährden wird ?
Die Protagonisten erwartet viel unvorstellbares an Ereignissen und Schicksalsschlägen.

Auf viele philosophische Diskussionen muss man sich gefasst machen, aber der Roman ist
auf jeden Fall ohne Bedenken an Lesefreunde weiterzuschenken.



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Bewertung: 7 von 10

15. November 2005

Plattform - Michel Houellebecq

Frustration - Liebe - Sex - Religion - Terror - Frustration
Ein fulminanter, erschreckend realistischer Roman der in den Medien, sowie in der islamistischen Religion, für Aufregung sorgte. Houellebecq zeigt hier, dramatisch dargestellt, was eine Religion verursachen kann, und wie deren manipulierte Anhänger sich für alles gebrauchen lassen. Hier schreibt Houellebecq am Puls der Zeit.
Über die intime Beziehung der Protagonisten lässt sich Houellebecq in einer sehr pornographischen Art aus, das nicht bei jedem Leser auf Anklang stößt.

Ein 40-jähriger Beamter, trostlos in seinem Alltag unterwegs, trifft endlich eine wunderbare Begleiterin für seinen Lebensweg, Valerie eine Tourismusmanagerin. Beide treffen sich auf einer Reise nach Thailand, wo Michel noch gegen Bezahlung seine Lüste auslebt.
Wieder zu Hause in Paris kommen sich Michel und Valerie näher. Das Glück lässt sich nun nicht mehr aufhalten und der erste, gemeinsame Flug führt nun Beide wieder nach Thailand...
...und war das der richtige Weg ?



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Bewertung: 8 von 10

11. November 2005

Gefährliche Geliebte - Haruki Murakami

Es ist etwas alltägliches, es passiert doch jedem von uns - die Liebe - doch in diesem Roman ist es noch schöner, noch geheimnisvoller, noch ergreifender. Dieses Buch ist mit jeder Seite die man liest wie ein Sog der einen immer mehr mithineinzieht und mitleben(-leiden) lässt.

Der Ich-Erzähler Hajime lebt in einem zufriedenem Familienleben als Barbesitzer mit Frau und Kind. Alles ist gut so.
Doch auch hier denkt Hajime oft an vergangenes, verpasste Gelegenheiten und was wäre gewesen wenn...
Und plötzlich taucht Sie auf, Shimamoto, seine erste Liebe die dann zu einer "Gefährlichen Geliebten" wird ??

Eines der Bücher mit den schönsten Liebesszenen.



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Bewertung: 9 von 10

06. November 2005

Die Schattenuhr - Alfred Komarek

Sein erster Roman dieser Reihe "Die Villen der Frau Hürsch" hat beim Lesen eine gigantische Ruhe und Gemütlichkeit ausgestrahlt, konnte einen so richtig zum Abschalten bringen. Und natürlich sollte man mit der Fortsetzung "Die Schattenuhr" weitermachen(-lesen).
Daniel Käfer der ehemalige Chefredakteur will nun nach seinen Erholungstagen im Ausseerland wieder in die Arbeitswelt zurückkehren und begibt sich auf den Weg nach Wien. Doch wenn man nicht wirklich so sehr von diesem Gedanken beflügelt ist, lässt man sich doch ganz rasch wieder von diesem Plan abbringen. Auf dem Weg nach Wien, lernt man wieder nette Leute kennen und lässt sich wieder zu neuen Abenteuern hinreißen. Und in Hallstadt, dieser jahrtausend Jahre alten Stadt des Salzabbaues, dieser mystischen Umgebung, kann viel seltsames entdeckt werden.

In diesem Roman hat Komarek sehr viel geschichtlichen und archeologischen Hintergrund für den Roman angeführt. Die Protagonisten wieder ganz einfache, urige, gemütliche und auch herzliche Menschen.
Trotzdem würde ich jedem raten, falls noch nicht gelesen, die "Villen der Frau Hürsch" zuerst zu genießen.



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Bewertung: 6 von 10

03. November 2005

Der Garten der Lüste - John Vermeulen

Roman über Leben und Werk des Hieronymus Bosch.
Dieses Buch ist bis jetzt eines meiner Lieblingsbücher, eine der geschichtlich ergreifendsten, interessantesten, hintergündigsten Erzählung über Leben und Werk des Künstler, Malers, der die Gabe hatte, das "andere" Gesicht von Menschen und Natur zu sehen.
Ein Ketzer, der dem Scheiterhaufen nur entging, weil er als namhafter Künstler und wohlhabender Mann gewisse Privilegien genoss? Ein Drogensüchtiger? Ein Lüstling wie man aus seiner unverkennbar erotischen Symbolik schließen könnte? Dieser Roman führt mitten hinein in eine aufregende Zeit voller Umbrüche und Widersprüche.

Vermeulen erzählt das Leben dieses unglaublichen Malers, in einer so einfachen aber wundervoll, bildlichen Sprache, als würde man Verzweiflung und Schmerz selbst miterleben.




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Bewertung: 10 von 10

02. November 2005

Phantomschmerz - Arnon Grünberg

Robert G. Mehlmann, ein Schriftsteller, wird hier von seinem Sohn, Harpo Saul Mehlmann, dargestellt.
Harpo erzählt wie sein Vater in seinem Leben versucht sein Geld zu verdienen und wie ihn in dieser Zeit drei Frauen auf diesem Weg begleiten. Seine Frau, eine Kellnerin und ein Fan von ihm. Parallel wird von diesen drei Beziehungen erzählt.
Worüber unterhält er sicher mit seiner Frau, die eine Psychologin ist, mit der Kellnerin die seine sexuelle Lust befriedigt, und was interessiert ihn an einem Fan, der ein Problem mit seinen hässlichen Füßen hat ?
Einen verwirrten, lebenssuchenden Schriftsteller kann man in diesem Roman ein Stück begleiten.



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Bewertung: 4 von 10

Schriftsteller:
Arnon Grünberg, geb. 1971 in Amsterdam, lebt zur Zeit als freier Autor in New York.

01. November 2005

Die Möglichkeit einer Insel - Michel Houellebecq

Nur gut das uns keiner erzählen kann was uns im Jahre 4005, aus der uns Houellebecq in diesem neuen Roman erzählt, erwarten könnte, denn man würde mit Erschrecken in die Zukunft schauen.
Wie sieht es dort aus in dieser von Atombomben und Naturkatastrophen zerstörten Welt und gibt es hier auch noch das Wort "Gefühle". Lieben sich die Menschen noch im Jahre 4005 ? Religionen, Götter, Sekten versucht man auch dann noch an solchen Institutionen Halt zu finden.
Es wird geklont von Daniel 1 bis Daniel 25 von denen jeder immer abwechselnd über sein Leben erzählt. Daniel1,1 ist ein Clown, Kabarettist und heiratet Isabell. Daniel 24,3 sieht Kreaturen, nackt von Würmern befallen und bekommt ein Mail von Marie 22. Und so wird abwechselnd beim Lesen zeitlich hin- und hergeschaltet.
Eines der Hauptthemen ist das Altern, das einer starken Entwertung unterzogen ist, wonach man sich nach dem ca. 40. Lebensjahr umbringt und wieder der nächste Klon entsteht. Es wird noch Sex praktiziert, aber ohne dazugehörende Gefühle, einfach nur um die Lust zu stillen (ein fickriges Getöse).
Einige der "Klone" beginnen sich über diese früheren Leben Ihrer Vorgänger Gedanken zu machen, werden neugierig, interessieren sich an deren Erzählungen und machen sich dann auf den Weg diese "andere Welt" die sich angeblich noch auf einer Insel befinden soll, zu suchen. Finden sie diese Welt, in der sie nach Hoffnung suchen ?



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Bewertung: 6 von 10

28. Oktober 2005

Komm - Irina Denezkina

Endlich wieder gute Erzählungen, ein Buch, das man nicht gleich wieder aus der Hand legen möchte. Irina Denezkina schreibt einfach, klar, realistisch, sodass es auch sehr ergreifend sein kann. Man findet hier keine verträumten Erzählungen, sie lässt uns genau "hinsehen" was noch Heute und Jetzt passiert.

Ist das wirklich die Realität, ist das die momentane Lage der neuen russischen Lost Generation !! Wenn ja, dann ist es erschreckend, traurig und ziemlich hoffnungslos. Woher sollte die Jugend etwas anderes kennen, wenn man mittendrinnen, in Gewalt und Alkohol aufwächst.
KOMM und lies es...



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Bewertung: 6,5 von 10

16. September 2005

Jetzt wo du mich verläßt, liebe ich Dich mehr denn je - Frida Kahlo

Auseinandersetzung mit dem Schmerz -
Die Tragödie einer bewundernswerten, großen mexikanischen Malerin 1907-1954.
Die unvorstellbaren, dauerhaftesten physich und psychischen Schmerzen, die man als Mensch hier auf Erden (er)leben kann. Und genau das hat Sie, Frida, in Ihrem Leben duchmachen müssen. Zuerst der unglückliche Busunfall als junges, dynamisches Mädchen mit 18 Jahren, diese dauerhafte Krankheit als Schicksal zu meistern, verbunden mit Ihrer verzweifelnden Leidenschaft zu Ihrer Jugendliebe Alejandro Gómez Arias und dann noch die große, immer wieder verletzende Liebe zu Ihrem 2-fachen Ehemann, dem Maler Diego Rivera.

Man bekommt in diesem Buch Einsicht in das Leid von Frida durch Briefe, Gedichte und Notizen an Freunde, Bekannte, Liebhaber...
Frida schreibt, so Raquel Tibol, "mit dem Herz auf der Zunge, in einer freimütigen, phantasievollen Sprache".

Brief an Alejandro Gómez Arias - 30. Juni 1946 New York
Alex darling, ich darf nicht viel schreiben, aber ich will Dir nur kurz mitteilen, daß ich the big operation schon hinter mir habe. Vor drei weeks haben sie an den Knochen herumgeschnitten. Dieses Medikament ist so wunderbar und mein body so voller Energie, daß sie mich heute schon für zwei Minütchen auf meine armseligen feet gestellt haben. Ich kann es selbst nicht believen. Die first beiden Wochen habe ich sehr gelitten und viel geweint - diese Schmerzen wünsche ich nobody. Sie sind furchtbar durchdringend und bösartig, aber diese Woche ist es nicht mehr so zum Heulen und dank der Tabletten habe ich es einigermaßen gut überstanden. Ich habe am Rücken zwei riesige Narben in this Form. Hier wurde mir ein Stückchen aus dem Becken entnommen, um es in die Wirbelsäule einzusetzen - diese Narbe ist weniger häßlich und verläuft gerader. Fünf Wirbel waren beschädigt, aber jetzt sind sie kerzengerade wie ein Repetiergewehr... Please don´t forget me. Alex laß micht in diesem verfluchten Krankenhaus nicht ganz allein, und schreib mir.
Deine F.

ps: für der Kinofilm "Frida" sollte man auf jeden Fall irgendwann einen Termin frei haben...



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Bewertung: 7,5 von 10

14. September 2005

Stiller - Max Frisch

Thema: Identität - Selbstverwirklichung
In einem Zug wird Mr.White von einem Mitreisenden als der schon seit Jahren vermisste Herr Stiller erkannt und daraufhin verhaftet. Im Gefängnis bekommt Mr. White Besuche von Stiller´s Bruder Wilfried, Bekannten und sogar Stiller´s Frau Julika besucht Mr. White und alle sind davon überzeugt das es sich um Ihren Stiller handelt. Es wird in den Besuchen über die Vergangenheit von Stiller gesprochen, man erfährt von seiner Ehe, seiner Liebschaft mit Sybille über sein vergangenes Leben. Mr. White leugnet seine Identität als Hr.Stiller aber wehement.
Es kommt zu vielen Gesprächen zwischen Mr.White und seinem Staatsanwalt, Stiller´s Bruder, dessen Frau Julika, dem Gefängniswärter, man erfährt vieles über den vermissten Stiller. Mr. White wird aus dem Gefängnis entlassen, aber mit welcher Identität, das sollte jeder selbst herausfinden (lesen).


...Wilfried ist nicht zweideutig, nicht geistreich, nicht neugierig, ein Mensch des natürlichen Daseins, nicht des Ausdrucks. Noch wenn ich schweige, komme ich mir vor ihm geschwätzig vor.

Aus diesem Buch kann man so vieles er-lesen, beim 2. oder 3. mal lesen wird man überrascht sein, was man beim letzten Mal alles "überlesen" hat. Eine hilf- und lehrreiche Lektüre, wie es richtig heißt ein "Klassiker".




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Bewertung: 6,5 von 10

11. September 2005

Der Vorleser - Bernhard Schlink

Sie ist reizbar, rätselhaft und viel älter als er…und sie wird seine erste Leidenschaft.
Er ist 15 Jahre alt und lernt eine um 20 Jahre älter Frau kennen und lieben. Sie ist geheimnisvoll denn vor jedem Liebesakt muß er Ihr immer etwas vorlesen. Doch plötzlich verschwindet Sie spurlos aus der Stadt und er sieht Sie erst Jahre später wieder in einem Prozeß. Das Sie in diesem Prozeß als Angeklagte erscheint, in soches Tun verwickelt war, das war erschreckend für Ihn. Nun schickt er Ihr immer Kassetten ins Gefängnis, warum ?
Er kennt nun Ihre Vergangenheit und doch kommt er nicht los von Ihr.

Der Schreibstil einfach und doch so ergreifend.
Es war "verlorene Zeit" sagt man des öfteren nach einem gelesenen Buch, aber mit Sicherheit in diesem Falle nicht !!

Info zum Autor:
Student in Heidelberg und Berlin, wissenschaftlicher Assistent in Heidelberg, Darmstadt, Bielefeld und Freiburg. Promotion 1975 (Abwägung im Verfassungsrecht, 1976), Habilitation 1981 (Die Amtshilfe. Ein Beitrag zu einer Lehre der Gewaltenteilung in der Verwaltung, 1982). Professor in Bonn, Frankfurt und seit 1992 an der Humboldt-Universität zu Berlin. 1993 Gastprofessor an der Yeshiva-University New York. Gemeinsam mit Bodo Pieroth Autor des Lehrbuchs "Grundrechte" (11. Auflage 1995). Seit 1988 Richter des Verfassungsgerichtshofs für das Land Nordrhein-Westfalen. Als Schriftsteller Veröffentlichung zahlreicher Romane ("Der Vorleser", 1995).
Quelle: Humbold Forum Recht


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Bewertung: 8 von 10

Verzeihen Sie, ist das hier schon die Endstation? - Erika Pluhar

Eine besondere Liebesgeschichte in Wien ...

Mit den Worten: "Entschuldigen Sie, ist das hier die Endstation" lernt Frau Nelly um die 50, den Herrn Smelik um die 60 kennen. Beide kommen dann bei mehreren Gläsern Wasser und Wein, in einem Garten, ins Gespräch und erzählen von Ihrem Leben. Unglückliche Ehe, unerfüllte Liebe, Liebschaften, Alkoholprobleme und so wird es dann Abend...

Eine leicht, gemütlich zu lesende Geschichte, deren 254 Seiten aber nie zur Langeweile führen.



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Meine Bewertung: 6 von 10

Das Foucaultsche Pendel - Umberto Eco

Auf 760 Seiten führt Umberto Eco durch das Mittelalter bis zur Gegenwart und lässt uns an einer Verschwörungstheorie teilhaben die von den Rosenkreuzern bis in die Gegenwart reicht. Doch ist es wirklich eine Verschwörung? Muss es sein, die Indizien sprechen eine klare Sprache, wie sonst könnten sich all die historischen Begebenheiten durch die uns dieser Roman führt in einer solchen umfassenden Weise zusammenhängen. Das kann einfach kein Zufall sein.
Soweit zur Handlung. Eco zeigt wie schon bei seinem Bestseller "Der Name der Rose" dass er der letzte universalgelehrte Mensch ist. Er führt mit einer Liebe zum Detail und einer schon unheimlichen Leichtigkeit durch die Geschichte, so dass es dem Leser fast unmöglich ist das Buch aus den Händen zu legen. Man lernt dass auch scheinbar offensichtliche Zusammenhänge bei genauerer Betrachtung und mit dem Blick auf die großen Zusammenhänge, oft mehr Schein als Sein sind. Es zeigt auch sehr gut wie aus einer anfänglich als Scherz ersonnen Geschichte bitterer Ernst werden kann.
Ich kann dieses Buch nur jeden ans Herz legen der mit offenen Augen durch die Welt gehen will. Gerade in einer Zeit in der Ideologien vor Generationen geboren wurden, von Menschen die schon lange tot sind und deren Beweggründe nicht bekannt sind. Es stellt sich die Frage ob alles im Sinne des Erfinders war was sich letztlich nach Jahrhunderten von Jahren aus einer einzigen Idee entwickelt hat.

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Meine Bewertung: 9 von 10

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